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Stand: 06.10.2011
Betroffene Organe
Veränderungen der Nebennieren / Phäochromozytome
Informationen über die Diagnose und Therapie von Phäochromozytome, Nebennierentumor sowie Paragangliome bei von Hippel Lindau VHL
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VHL-Rundbrief Nov./2010; Heft 4; Jahrgang 11
Vorträge Informationsveranstaltung Köln 2010
Thema Minimal-Invasive Therapie von Phäochromozy-tomen und Paragangliomen
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von Hippel-Lindau (VHL) | Eine patientenorientierte Krankheitsbeschreibung
März 2010
Beitrag: Phäochromozytome
Prof. Dr. Neumann, Freiburg und Prof. Dr. Walz, Essen
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VHL-Rundbrief Nov./2008; Heft 4; Jahrgang 9
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Hannover 2008
Vortrag (- Auszug -) Herr Prof. Dr. M. Ritter, Klinikum Ibbenbüren
Thema: Diagnostik und Therapie von neuroendokrinen Tumoren bei VHL
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VHL-Rundbrief
Nov./2007; Heft 4; Jahrgang 8
Vortrag Frau Dr. Nicole Reisch, Medizinische Klinik - Innenstadt, Endokrinologie,
Klinikum der Uni München
Thema: Phäochromozytome unter besonderer Berücksichtigung der VHL Erkrankung
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VHL-Rundbrief
Mai/2007; Heft 2; Jahrgang 8
Optimierung der Hydrocortison-Substitutionstherapie
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VHL-Rundbrief
Aug./2006; Heft 3; Jahrgang 7
Labordiagnostik des Phäochromozytom
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Bericht vom 1. Internationalen Symposium über Phäochromozytome
Übersetzt aus dem VHL Family Forum Dez. 2005
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VHL-Rundbrief
Nov./2005; Heft 4; Jahrgang 6
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Münster 2004
Vortrag Dr. Brauckhoff
Thema: Chirurgie der Nebennieren
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VHL-Rundbrief Nov./2004; Heft 4; Jahrgang 5
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Münster 2004
Vortrag Prof. Dr. Walz
Thema: Die moderne Behandlung von Nebennierentumoren
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VHL-Rundbrief Nov./2003; Heft 4; Jahrgang 4
Vortrag Prof. Dr. Dörr, Universitätskinderklinik, Abt. Pädiatrische Endokrinologie;
Thema: Diagnostik und Therapie der Nebennierenrindeninsuffizienz
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VON HIPPEL-LINDAU ERKRANKUNG - Leitfaden für Patienten und Ärzte - Hrsg.
Verein für von der Hippel - Lindau (VHL) Erkrankung betroffene Familien e.V.,
Nov. 2002
Autor: Prof. Dr. H. Neumann, Medizinische Universitätsklinik Freiburg
Beitrag: Veränderungen der Nebennieren/Phäochromozytome
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VHL-Rundbrief Nov./ 2001; Heft 4; Jahrgang 2
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Berlin 2001
Vortrag Prof. Dr. H.P.H. Neumann, Klinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg,
Abteilung Innere Medizin IV, Schwerpunkt Nephrologie
Thema: Diagnostik von VHL-assoziierten Tumoren von Nieren,
Nebennieren und Pankreas.
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VHL-Rundbrief Nov./2000; Heft 4; Jahrgang 1
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Koblenz 2000
Vortrag PD Dr. M.K. Walz, Chefarzt der Klinik für Chirurgie und des Zentrums für Minimal Invasive Chirurgie; Kliniken Essen-Mitte
Thema: Chirurgie der Nebennieren und der Paraganglien; moderne Verfahren
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VHL-Rundbrief Feb./2000, Heft 1; Jahrgang 1
Die endoskopische Operation beim Phäochromozytom
Von Priv.-Doz. Dr. M.K. Walz, Chefarzt der Klinik für Chirurgie und des Zentrums für Minimal Invasive Chirurgie Kliniken Essen-Mitte, Henricistraße 92; 45136 Essen

VHL-Rundbrief Nov./2010; Heft 4; Jahrgang 11
Vorträge Informationsveranstaltung Köln 2010
Zusammenfassung Vortrag Prof. Dr. Walz, Klinik für Chi-rurgie und Zentrum für Minimal Invasive Chirurgie, Klini-ken Essen-Mitte, Ev. Huyssens-Stiftung
Thema Minimal-Invasive Therapie von Phäochromozy-tomen und Paragangliomen
Prof. Walz ist Direktor der Klinik für Chirurgie und Zentrum für Minimal Invasive Chirurgie an den Kliniken Essen-Mitte. Seit vielen Jahren operiert er erfolgreich VHL-Betroffene und hielt nach 2000 und 2005 auch in diesem Jahr einen Vortrag über die minimal-invasive Chirurgie der Nebennieren.
Zunächst erklärte Prof. Walz die Lage und Funktion der Nebennieren, um anschließend auf die operative Behandlung einzugehen. Die Nebennieren sind Drüsen, die sich oberhalb der Niere befinden und jeweils nur 10 Gramm schwer sind. Obwohl sie so klein sind, kann ein Mensch ohne Nebennieren nicht Leben.
Die Nebennieren bestehen aus der äußeren Nebennierenrinde und im Innern aus dem Nebennierenmark. Die Nebennierenrinde produziert unter anderem das lebensnotwendige
Cortisol, ohne das ein Mensch innerhalb weniger Tage stirbt. Die häufigsten Tumoren, die sich in der Nebennierenrinde befinden, verursachen das Conn-Syndrom und das Cushing-Syndrom.
Im Nebennierenmark werden die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin produziert. Befindet sich dort ein Tumor, kann dieser Stresshormone produzieren, auch wenn der Körper sie gar nicht benötigt. Die Symptome, die ausgelöst werden, sind anfallsweise hoher Blutdruck mit Kopfschmerzen, aber auch kontinuierlich erhöhter Blutdruck. Weitere häufig beobachtete Symptome sind Herzklopfen und Herzrasen sowie starkes Schwitzen. Die Tumoren im Mark der Nebennieren heißen
Phäochromozytome.
Die Phäochromozytome werden bei den jährlichen Untersuchungen entweder durch die Magnetresonanztomographie (MRT) des Bauchraumes entdeckt oder durch die Bestimmung der Abbauprodukte von Adrenalin und Noradrenalin im 24-Stunden-Sammelurin oder im Blut. Um sicherzugehen, dass nur ein Phäochromozytom vorliegt bzw. um weitere zu finden muss eine MIBG-Szintigraphie oder DOPA-PET Untersuchung durchgeführt werden.
Seit 1994 führt Prof. Walz die chirurgische Entfernung der Tumoren minimal-invasiv durch. Mittlerweile hat er über 1.100 Patienten mit der so genannten Schlüsselloch-Operation erfolgreich operiert. Es gibt verschiedene Möglichkeiten einen Nebennierentumor endoskopisch zu operieren. Prof. Walz operiert den Patienten in der Bauchlage und nähert sich der Nebenniere vom Rücken her.
Bevor ein Patient operiert werden kann, muss er über einen Zeitraum von 7 – 14 Tagen Alpha-Blocker in steigender Dosierung zu sich nehmen, damit die Phäochromozytome während der Operation keine Stresshormone ausstoßen können und somit u. a. Blutdruckkrisen auslösen. Neueste Untersuchungen am Klinikum Essen-Mitte haben ergeben, dass Patienten, die nur das Stresshormon Noradrenalin im Überschuss produzieren, diese medikamentöse Vorbehandlung nicht unbedingt nötig haben und somit keine Nebenwirkungen des Medikaments ertragen müssen.
Operation von Phäochromozytomen
Vor über 10 Jahren gab es eventuell noch eine Wahl, ob offen oder endoskopisch operiert werden sollte. Heutzutage kann gesagt werden, dass (fast) alle Phäochromozytome endoskopisch operiert werden können und auch sollten.
Bei der Operation werden im Rückenbereich in der Regel drei kleine, jeweils etwa 1 cm lange, Schnitte gemacht. Das Operationsgebiet wird mit Kohlendioxid aufgeblasen, so dass ein Hohlraum entsteht, durch den der Chirurg seine Instrumente einführt. Durch den einen Schnitt wird eine kleine Lichtquelle mit einer Kamera eingeführt. Diese leuchtet dem Operateur das Operationsgebiet aus, durch die Kamera kann er über einen Monitor alles sehen. Die Kamera kann bis zum 20-fachen vergrößern, so dass der Chirurg auch kleinste Strukturen erkennen kann. Kleinste Blutgefäße kann er somit veröden, so dass keine Blutung entsteht. Mit einem nur wenige Millimeter messenden „Messer“ kann er den Tumor frei präparieren und den Tumor aus dem gesunden Gewebe herausschälen. Der Tumor fällt schließlich in ein kleines Beutelchen, der verschlossen und dann aus den Körper herausgezogen wird. Dadurch wird sichergestellt, dass keine Tumorzellen an andere Stellen im Körper verschleppt werden können. Die gesamte Operation dauert im Schnitt nur 50 Minuten.
Die Vorteile dieser Operationstechnik sind vielfacher Art:
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Der Patient braucht im Vergleich zur offenen Operationen nach der Operation nur sehr wenig und für einen kurzen Zeitraum Schmerzmittel.
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Die verbleibenden Hautnarben stellen ein kosmetisch sehr akzeptables Ergebnis langfristig dar.
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Der Patient kann nach 2-4 Tagen das Krankenhaus wieder verlassen.
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Der durchschnittliche Blutverlust ist mit 20 ml sehr gering, So war es nur in einem Fall von über 1.000 Patienten erforderlich, eine Bluttransfusion zu geben.
In den Anfangsjahren kam es noch vor, dass von einer endoskopischen Operation auf eine offene Operation gewechselt werden musste, dies kommt heute praktisch nicht mehr vor. Bei 1,6 Prozent aller Operierten kamen Blutdruckkrisen vor. Die Erfahrung sowohl des Operateurs als auch des Anästhesisten helfen sehr, diese Krisen zu meistern.
Bei 59 Patienten wurde Phäochromozytome in beiden Nebennieren gleichzeitig operiert. Bei fast allen – bis auf 4 – konnte vermieden werden, dass die Patienten Cortisol-pflichtig wurden. Dies geschieht dann, wenn dem Patient nach der OP weniger als ein Drittel einer Nebenniere bleibt.
Die endoskopische Operation ist auch dann möglich, wenn der Patient bereits vorher an den Nebennieren operiert wurde. Bei 17 Patienten konnten neu auftretende Tumore erfolgreich entfernt werden, obwohl es durch die Voroperation zu starken Verwachsungen in dem Bereich gekommen war. Die neuen Tumoren entstanden über einen Zeitraum von 1 bis zu 30 Jahren.
Seit 2008 operiert Prof. Walz etwa jeden dritten Patienten durch nur noch einen kleinen Schnitt. Dadurch werden die Instrumente eingeführt und der Tumor entfernt. Die OP-Dauer ist ca. 15 Minuten länger, dafür benötigen aber über 50 Prozent der Patienten überhaupt keine Schmerzmittel mehr. Für diese neue Operationsmethode sind besonders schlanke Patienten geeignet.
Als Paragangliome werden Phäochromozytome bezeichnet, die sich nicht in den Nebennieren befinden, sondern entlang des so genannten sympathischen Grenzstranges liegen. Da dieser sich in der Nähe großer Blutgefäße befindet, bilden sich die Paragangliome auch in Nachbarschaft dieser Blutgefäße, z.B. der Aorta oder Vena
cava. Paragangliome kommen viel seltener als Phäochromozytome vor. Am Klinikum Essen-Mitte beträgt das Verhältnis Phäochromozytom zu Paragangliom in etwa 1/6. Auch Paragangliome lassen sich sehr häufig endoskopisch operieren.
Fazit: Heutzutage sollten alle Nebennierentumoren endoskopisch - und soweit möglich -organerhaltend operiert werden. Phäochromozytome in beiden Nebennieren lassen sich ebenfalls gut entfernen, sogar bei Rückfall-Phäochromozytomen kann wiederholt endoskopisch operiert werden. Paragangliome können in der Regel auch minimal-invasiv operiert werden.
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von Hippel-Lindau (VHL) | Eine patientenorientierte Krankheitsbeschreibung
März 2010
Beitrag:
Phäochromozytome
Prof. Dr. Neumann, Freiburg und Prof. Dr. Walz, Essen
Zusammenfassung
Phäochromozytome sind in der Regel gutartige Tumoren der Nebennieren oder der sog. Paraganglien - dann Paragangliome oder extraadrenale Phäochromozytome genannt - und kommen bei etwa 20 Prozent der Patienten mit der VHL-Krankheit vor. Sie verursachen typischerweise attackenartige Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schweißattacken und Herzrasen. In diesen Phasen oder auch dauerhaft besteht ein erhöhter Blutdruck. Die Diagnostik besteht aus Laboruntersuchungen und einer Bildgebung, meist MRT-Untersuchung. Im Labor werden die Katecholamine oder Metanephrine (Adrenalin und Noradrenalin bzw. Metanephrin und
Normetanephrin) bestimmt. Festgestellte Tumoren sollen durch ein nuklearmedizinisches Verfahren
(MIBG Szintigraphie oder DOPA-PET) bestätigt werden, um Zweittumoren
auszuschliessen. Die Behandlung sowohl von in den Nebennieren gelegenen Phäochromozytome als auch den außerhalb davon gelegenen extraadrenalen Tumoren ist die endoskopische operative Entfernung. Sehr selten kommen bösartige (maligne) Phäochromozytome vor.
Definition
Das vegetative oder autonome Nervensystem steuert eine Vielzahl unbewusster Vorgänge des Körpers. Entsprechend hat der Mensch ein weites Steuerungssystem. Die Nebennieren, speziell das Mark der Nebennieren, sind hiervon ein wichtiger Bestandteil. Die Nebennieren sind etwa 3 x 3 x 1 cm im Durchmesser große Organe, die den beiden Nieren aufsitzen. Die Nebennieren bestehen aus einem Mark- und einem Rindenanteil. Tumoren, die sich aus dem Nebennierenmark entwickeln, heißen
Phäochromozytome. Dem Nebennierenmark ähnliche Gewebestrukturen gibt es an vielen anderen Stellen, insbesondere im hinteren Bauchraum und Brustraum, meistens in unmittelbarer Nähe der großen Blutgefäße. Diese meist sehr kleinen Strukturen nennt man
Paraganglien. Wenn sich hieraus Tumoren entwickeln, nennt man sie Paragangliome oder extraadrenale
Phäochromozytome. Phäochromozytome und Paragangliome sind meistens gutartig, d.h. sie bilden keine Tochtergeschwülste, sog. Metastasen. Phäochromozytome und Paragangliome produzieren die Stoffe, die das Nebennierenmark und die Paraganglien normalerweise für ihre Funktion benötigen, nämlich Adrenalin und Noradrenalin im Überfluss und sind dadurch kreislaufaktiv. Massive Blutdrucksteigerungen können lebensgefährlich sein und zu Herzversagen und Hirnblutungen führen.
Häufigkeit
Phäochromozytome und Paragangliome sind insgesamt selten und kommen sowohl ohne familiären Hintergrund als auch im Rahmen von erblichen Erkrankungen, vor allem bei der
VHL-Krankheit, vor. Die meisten, d.h. etwa 90 Prozent der Phäochromozytome entstehen in den Nebennieren. Paragangliome sind meistens in der Nähe der Nebennieren oder entlang der Blutleiter zum Becken lokalisiert. Im Brustkorb gelegene Paragangliome sind Raritäten. Bei Patienten mit der VHL-Krankheit zeigen insgesamt etwa 20 Prozent
Phäochromozytome. Es gibt somit viele VHL-Patienten und viele Familien mit der
VHL-Erkrankung, die nie derartige Tumoren entwickeln. Betroffen sind beide Geschlechter in etwa gleichem Maße. Das Alter, zu dem Phäochromozytome Krankheitszeichen verursachen und somit festgestellt werden, ist sehr verschieden. Der jüngste
VHL-Patient mit einem Phäochromozytom war 4½ Jahre, der älteste 83 Jahre alt. 80 Prozent der Phäochromozytome werden bei der VHL-Erkrankung zwischen dem 10. und 55. Lebensjahr festgestellt. Etwa 40 Prozent der VHL-Patienten mit einem Phäochromozytom haben entweder bei Diagnosestellung oder im weiteren Verlauf Phäochromozytome beider Nebennieren.
Symptome
Phäochromozytome produzieren die Stresshormone Noradrenalin und Adrenalin im Überschuss und geben sie in die Blutbahn ab. Oft geschieht dies phasenweise. Die Krankheitszeichen treten deshalb typischerweise attackenartig auf. Schweißausbrüche, Kopfschmerzen und ein „Herzgefühl“ meist in Form von Pulsrasen führen die Patienten zum Arzt. Häufig sind die Attacken dann schon vorbei, und es lässt sich nichts mehr feststellen. Ist der Tumor noch aktiv, so findet sich fast immer ein erhöhter Blutdruck. Für die Patienten sind die Attacken meistens beunruhigend und unangenehm. Neben diesen „klassischen“ Symptomen verursachen Phäochromzytome sehr viele weitere Krankheitszeichen wie Störungen der Darmtätigkeit bis zu Erbrechen oder Durchfall und Gewichtsverlust, Störung der Urinproduktion mit vermehrtem Durst und Wasserlassen, Störung des Nervensystems mit Zittern, Angstzuständen und Depressionen und Störung des Stoffwechsels mit Hitzegefühl und Erhöhung des Blutzuckers. Gefahren drohen den Patienten wegen der Herzbelastung und dem stark erhöhten Blutdruck durch Herzversagen oder Hirnblutung. Bösartige (maligne) Phäochromozytome mit Metastasen sind bei der VHL-Erkrankung sehr selten.
Diagnostik
Die Diagnostik besteht zum einen in der Messung der Stresshormone, zum anderen im Nachweis der Tumoren als Raumforderungen.
Stresshormone oder Katecholamine umfassen Adrenalin, Noradrenalin sowie deren Abbauprodukte Metanephrin und
Normetanephrin, die im 24-Stunden-Urin oder im Blut-Plasma gemessen werden können. Sind diese Werte massiv erhöht, gibt es an dem Vorliegen eines Phäochromozytoms oder Paraganglioms keinen Zweifel. Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre haben ergeben, dass Normetanephrin der beste Messwert zur Erkennung dieser Tumoren ist. Die Kernspintomographie (MRT) ist generell die bestgeeignete Untersuchung und sollte wenn möglich immer durchgeführt werden. Da diese Untersuchung auch der Erkennung von Tumoren der Nieren und der Bauchspeicheldrüse dient, ist die Indikation für die MRT-Untersuchung bei VHL-Patienten ein wesentlicher diagnostischer Pfeiler. Da mehr als 95 Prozent der Phäochromozytome und Paragangliome im Bauchraum lokalisiert sind, reicht eine MRT-Untersuchung des Bauches (Abdomen) aus.

Abb.
11:
Phäochromozytom der rechten Nebenniere.
A: Darstellung mittels Kernspintomographie in frontaler (coronarer) Schnittebene

B: Darstellung desselben Tumors mittels 18Fluor – DOPA – Positronenemissionstomographie
(DOPA-PET)
Phäochromozytome und Paragangliome lassen sich auch durch nuklearmedizinische Verfahren darstellen. Diesen Untersuchungen kommt jedoch nur die Rolle der Bestätigung bzw. des Nachweises oder Ausschlusses von Mehrfachtumoren zu. Zum Einsatz kommen die Metaiodobenzylguanidin
(MIBG-) Szintigraphie und die DOPA-Positronen-Emissions-Tomographie (DOPA-PET).
Therapie
Die Therapie besteht in der operativen Entfernung des Phäochromozytoms. Vor der Operation ist eine Vorbehandlung in Form von einer Blockade der Wirkung der Stresshormone, beginnend etwa 7 Tage vor der Operation, notwendig. Hierzu werden Alphablocker, meist Phenoxybenzamin (Handelsname:
Dibenzyran), eingesetzt. Bei unverändert schnellem Pulsschlag kommt zusätzlich die Behandlung mit Betablockern hinzu. Diese Behandlung erfolgt bis zur Operation.
Wegen der Lage der Nebennieren im hinteren Oberbauch waren bis vor kurzem Operationen mit meist recht langen Schnitten üblich. In den letzten 15 Jahren hat sich die „Schlüsselloch-Operation“, d.h. die endoskopische Operationstechnik zu einem neuen Standardverfahren entwickelt. Heute ist deshalb die
endoskopische Entfernung von Phäochromozytomen die zu empfehlende Behandlung. Weil oft beide Nebennieren Phäochromozytome entwickeln, sollte die Operation organerhaltend durchgeführt werden.

Abb.
12:
Extraadrenales Phäochromozytom (Paragangliom). Kernspintomographie in frontaler (coronarer) Schnittebene
Die Operation ist fast immer erfolgreich, d.h. die Tumoren können vollständig entfernt werden, was zu einem Verschwinden aller Beschwerden führt. Wenn nach einer Operation vermutet werden muss, dass zu wenig Nebennierengewebe verblieben ist, muss ein sog. ACTH Test durchgeführt werden. Dieser zeigt an, ob genug Nebennierenrindengewebe vorhanden ist, das die lebenswichtigen Hormone der Glukokortikoide und Mineralokortikoide produziert. Ein ACTH Test sollte durchgeführt werden nach Eingriffen an beiden Nebennieren. Dies beinhaltet sowohl eine Operation, bei der aus beiden Nebennieren Phäochromozytome entfernt wurden, als auch Operationen an nur einer Nebenniere, wenn in einer zurückliegenden Operation die andere Nebenniere entfernt wurde oder aus ihr ein Phäochromozytom enukleiert (herausgeschält) wurde. Falls die Nebennierenrinde nicht mehr funktionstüchtig ist, muss eine lebenslange orale Medikation (sog.
Steroidsubstitution) erfolgen.
Vorsorge
Zu empfehlen sind die Messung von Noradrenalin und Adrenalin oder Metanephrin und Normetanephrin im 24-Stunden-Urin oder im Blut sowie eine Kernspintomographie des Bauchraumes in frontaler
(coronarer) und horizontaler (transversaler) Ebene. Hierdurch lassen sich die Tumoren der Nebennieren, aber auch die hin und wieder außerhalb der Nebennieren gelegenen Phäochromozytome gut darstellen.
Vorsorgeuntersuchungen werden ab dem 5. Lebensjahr empfohlen. In diesem Alter erscheint eine Sonographie zusammen mit der Bestimmung der Stresshormone im 24-Stunden-Urin ausreichend. Ab dem 10. Lebensjahr ist eine MRT-Untersuchung zu empfehlen.
Als Intervalle werden jährliche Kontrolluntersuchungen empfohlen. Für Patienten, die eine Mutation mit sehr langsamer Wachstumstendenz aufweisen, wie Trägern der Mutation VHL c.505 T>C (Schwarzwaldmutation), erscheinen Untersuchungen alle 2 bis 3 Jahre ausreichend. Bei
VHL-Patienten, die bei wiederholten Kontrolluntersuchungen keine Phäochromozytome aufwiesen, kann die Bestimmung der Katecholamine entfallen. Bei Ihnen sind die MRT-Untersuchungen ausreichend.
Phäochromozytome und Schwangerschaft
Phäochromozytome werden bisweilen in der Schwangerschaft entdeckt und stellen eine Gefährdung von Mutter und Kind dar. Durch den Druck des größer werdenden Kindes kann es zu schweren Hochdruckkrisen kommen. Die Behandlung ist in dieser Ausnahmesituation prinzipiell dieselbe. Es sollte möglichst im mittleren Schwangerschaftsdrittel die endoskopische Phäochromozytom-Entfernung durchgeführt werden.
Bösartige Phäochromozytome
Bösartige Phäochromozytome sind bei VHL-Betroffenen äußerst selten. Ziel der Behandlung ist in jedem Fall die möglichst vollständige Entfernung sämtlicher Tumoren und somit auch der Metastasen. Sofern dies nicht möglich ist, kommen eine hochdosierte MIBG-Behandlung und eine Chemotherapie zum Einsatz, wobei das sog. Averbuch-Schema am häufigsten angewendet wird (siehe zum Thema „Metastasen“ auch Kapitel 8 Therapiemöglichkeiten bei metastasierenden
VHL-Tumoren).
Literatur
1. Bausch B, Boedeker CC, Berlis A, Brink I, Cybulla M, Walz MK, Januszewicz A, Letizia C, Opocher G, Eng C, Neumann HP. Genetic and clinical investigation of
pheochromocytoma: a 22-year experience, from Freiburg, Germany to international
effort. Ann N Y Acad Sci 2006;1073:122-37
2. Neumann H 2008: Pheochromocytoma. In: Anthony S. Fauci, Eugene Braunwald, Dennis L. Kasper, Stephen L. Hauser, Dan L.
Longo, J. Larry Jameson, and Joseph Loscalzo, editors. Harrison's Principles of Internal Medicine 17th ed. p. 2269-2275 New York: The McGraw-Hill
3. Neumann HPH, Eng C. The Approach to the Patient with Paraganglioma. J Clin Endocrinol
Metab. 2009; 94:2677-83
4. Reisch N, Walz M, Erlic Z, Neumann HPH, Das Phäochromozytom – noch immer eine Herausforderung
Der Internist 2009;50:27-35
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VHL-Rundbrief Nov./2008; Heft 4; Jahrgang 9
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Hannover 2008
Vortrag (- Auszug -) Herr Prof. Dr. M. Ritter, Klinikum Ibbenbüren
Thema: Diagnostik und Therapie von neuroendokrinen Tumoren bei VHL
Herr Prof. Ritter ist Endokrinologe und Chefarzt am Klinikum Ibbenbüren. Am Anfang seiner Assistenzzeit am Universitätsklinikum München-Großhadern hat er sich bereits mit seltenen Tumorerkrankungen beschäftigt und hat unter Prof. Engelhardt lange Jahre Patienten mit VHL betreut. Seit ca. zehn Jahren ist er in Ibbenbüren (Nordrhein-Westfalen) tätig und betreut dort ebenfalls VHL
Patienten.
In seinem Vortrag zur Diagnostik und Therapie von neuroendokrinen Tumoren ging Prof. Ritter zunächst auf die Nebennierentumoren
(Phäochromozytome) und anschließend auf die Inselzelltumoren (NET) der Bauchspeicheldrüse ein.
Phäochromozytome
Im Freiburger VHL Register wurden Phäochromozytome bei 46 Prozent der Betroffenen festgestellt. Dieser Wert liegt deutlich über internationalen Erfahrungswerten von 10-20 Prozent der Betroffenen. Die Schwarzwaldmutation mit vielen Betroffenen mit Phäochromozytomen ist dafür die Erklärung.
Eine der ersten Beschreibungen und die Namensgebung für den Tumor als „Phäochromozytom“ erfolgte 1886 bei einer 18-jährigen Frau an der Universitätsklinik Freiburg durch den Pathologen Dr. Felix Fränkel. Wie Prof. Neumann später nachweisen konnte, handelte es sich um eine Patientin mit der MEN2 Erkrankung.
Die Nebennieren liegen der Niere oberhalb zipfelförmig auf und haben eine Größe von etwa 4 x 3 cm. Die Nebennieren sind Drüsen, die in ihrer Rinde u. a. das lebensnotwendige Cortisol und im Nebennierenmark u. a. die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin produzieren. Wenn ein Großteil der Nebennieren entfernt wird, kann auch deren Funktionen beeinträchtigt sein.
Phäochromozytome kommen zu über 20 Prozent bei erblichen Tumorerkrankungen vor, insbesondere bei
VHL, multiple neuroendokrine Neoplasie Typ 2 (MEN2) und der Neurofibromatose sowie seltener bei Erkrankungen der
SDH-Gruppe.
Am häufigsten treten folgende klinische Symptome bei einem Phäochromozytom auf.
Bluthochdruck > 90 %
Kopfschmerzen 60-90 %
Schwitzen 55-75 %
Herzklopfen 50-70 %
Blässe 40-45 %
Hoher Zucker 30-40 %
Es ist besonders wichtig das Hausärzte wissen, bei welchen Konstellationen sie an ein Phäochromozytom denken sollten:
- bei typischer Klinik
- bei allen zufällig entdeckten NN-Tumoren („Inzidentalome“)
- bei erblichen Formen für Phäochromozytome
- bei jungen Patienten (<40 Jahren) mit Bluthochdruck
- bei Patienten mit schwer einstellbarem Bluthochdruck
Die Diagnose eines Phäochromozytoms besteht zum einen aus der Bestimmung der Abbauprodukte der Hormone Adrenalin und Noradrenalin im 24-Stunden-Urin oder im Blut (Plasma) sowie dann nach der Hormondiagnostik in bildgebenden Verfahren.
Bestimmung der Abbauprodukte der Hormone Adrenalin und Noradrenalin
Die Metanephrine sind Abbauprodukte der Katecholamine Adrenalin bzw.
Noradrenalin. Sind diese erhöht, weisen sie auf das Vorhandensein eines Phäochromozytoms hin. Die Bestimmung der Metanephrine bzw. Katecholamine kann sowohl im 24-Stunden-Urin als auch im Blut erfolgen. Wenn ein Labor die optimale Diagnostik durchführen kann, dann sind die Bestimmungen im Plasma oder Urin gleichwertig. Die meisten Labore in Deutschland verfügen aber nicht über diese sog. HPLC-Diagnostik und in diesen Fällen ist wahrscheinlich die Bestimmung im Urin die bessere Methode.
Bildgebende Verfahren
Neben der Bestimmung der Abbauprodukte der Nebenniere im Urin oder Blut gibt es die bildgebenden Verfahren. Bei den meisten Betroffenen wird ein MRT (Kernspin) des Bauchraums (Abdomen) während der jährlichen Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Die MIBG-Szintigraphische ist ein weiteres bildgebendes Verfahren, mit dem auch weitere Tumoren, die sich außerhalb der Nebennieren befinden (so genannte
Paragangliome), entdeckt werden können.
Die Operation eines Phäochromozytoms sollte heute endoskopisch (Schlüssellochchirurgie) durchgeführt werden.
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'VHL-Rundbrief
Nov./2007; Heft 4; Jahrgang 8
Vortrag Frau Dr. Nicole Reisch
Medizinische Klinik - Innenstadt, Endokrinologie, Klinikum der Uni München
Thema: Phäochromozytome unter besonderer Berücksichtigung der VHL Erkrankung
Frau Dr. Reisch ist am Lehrstuhl Endokrinologie der Medizinischen Klinik – Innenstadt der Universitätsklinik München beschäftigt. In ihrem Vortrag ging sie auf die Frage ein, was ein Phäochromozytom ist, welche Beschwerden es verursacht und wie es diagnostiziert und behandelt wird.
Was ist ein Phäochromozytom?
Der Begriff „Phäochromozytom“ (abgekürzt „Phäo“) wurde von dem Berliner Pathologen Dr. Pick geprägt und heißt übersetzt „graufarbene Zellgeschwulst“. Phäos sind Tumoren der Nebennieren. Die Nebennieren befinden sich oberhalb der Niere. Es ist ein Organ/Drüse, das Hormone bildet, die zum Teil lebensnotwendig sind. Die Nebenniere besteht zum einen aus der Nebennierenrinde und zum anderen aus dem Nebennierenmark. In der Nebennierenrinde werden u. a. die lebenswichtigen Hormone Cortisol und Aldosteron gebildet, außerdem DHEA. Letzteres ist ein Vorläufer der Sexualhormone, Aldosteron wird für den Wasserhaushalt im Körper benötigt.
Im Nebennierenmark werden die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin (Katecholamine) gebildet, die kreislaufwirksam sind. Ein Phäo ist ein Tumor des Nebennierenmarks und produziert unkontrolliert zu viel Stresshormone (Katecholamine), was lebensbedrohlich sein kann.
An einem Phäo erkranken pro Jahr ca. 2-8 Personen auf eine Millionen Menschen. Die Betroffenen sind meist zwischen 40-50 Jahre alt, Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Bei VHL Betroffenen treten die Phäochromozytome häufig in jüngeren Jahren auf und sind auch häufiger beidseitig.
Außerhalb der Nebennieren tritt das Phäo in etwa 15 Prozent aller Fälle auf, z.B. in den Paraganglien (Nervenzellen des Grenzstranges im Brust und Bauchbereich), diese werden dann Paragangliome genannt.
Welche Beschwerden macht ein Phäochromozytom?
Ein Phäo ist in der Regel ein gutartiger Tumor, dessen häufigste Symptomatik ein erhöhter Blutdruck (mehr als 90 %) ist. Daneben treten auch häufig Kopfschmerzen, Schwitzen und Schweißattacken sowie Herzklopfen bzw. -rasen (50-90%) auf. Seltener verursacht es eine Blutzuckererhöhung, Panik, Angst und Nervosität sowie Blässe (25-45%).
Ein Arzt sollte an ein Phäo denken, wenn er die oben genannten Symptome geschildert bekommt; aber auch in den Fällen, wo sich ein Bluthochdruck schlecht einstellen lässt. Wenn der Patient jünger als 40 Jahre ist und an Bluthochdruck leidet, sollte ebenfalls an ein Phäo gedacht werden, insbesondere an erbliche Formen. Schließlich ist das Vorhandensein von Phäos innerhalb der Familie auch ein starker Hinweis auf ein Phäo als Ursache von Bluthochdruck.
Ebenfalls kann ein Phäo wenig bis keine Beschwerden machen und als Zufallsbefund (Inzidentalom) entdeckt werden.
Wie wird ein Phäochromozytom diagnostiziert?
Um den Verdacht auf ein Phäo zu erhärten, wird der biochemische Nachweis der Katecholamin-Überproduktion gestellt, entweder der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin selbst oder deren Abbauprodukte. Dies wird in der Regel durch die Sammlung von Urin über 24 Stunden hinweg gemacht. Dabei muss dem Urin eine 10-prozentige Salzsäure zugefügt werden, da ansonsten die Diagnose unmöglich gemacht wird. Damit kann in den meisten Fällen ein Phäo nachgewiesen werden, insbesondere durch die Bestimmung sowohl der Stresshormone selbst als auch der verschiedenen Abbauprodukte im Urin zusammen, die Methode erfasst dennoch nicht alle Phäos. Seit wenigen Jahren gibt es auch die Möglichkeit bestimmte Abbauprodukte des Adrenalins und Noradrenalins (die sogenannten Metanephrine) im Blut zu untersuchen. Dabei muss das Blut gekühlt ins Labor geschickt werden. Die Untersuchung des Blutes ist im Vergleich zur Urinuntersuchung genauer, aber in Deutschland bisher noch nicht von jedem Labor durchführbar. Die Einhaltung von bestimmten Diäten oder das Absetzen von Medikamenten für die Labordiagnostik (Urinuntersuchung) ist in der Praxis in der Regel nicht nötig.
Neben der Labordiagnostik sind bildgebende Verfahren nötig, um die Lage und die Anzahl der Phäos zu bestimmen. Basis der bildgebenden Verfahren sind die Schnittbildverfahren Computertomographie und Magnetresonanztomographie. Die Kernspintomographie (auch Magnetresonanztomographie, abgekürzt: MRT) hat den Vorteil, dass sie im Gegensatz zur Computertomographie keine Strahlenbelastung darstellt, da sie mit einem Magnetfeld arbeitet, während das CT Röntgenstrahlen benutzt. Auch werden die Weichteile besser dargestellt und können Tumore außerhalb der Nebenniere (Paragangliome) mit dem MRT besser entdeckt werden.
Um auszuschließen, dass weitere Phäos übersehen wurden, sollte vor einer Operation ein weiteres bildgebendes Verfahren eingesetzt werden. Dies kann entweder mit der MIBG-Szintigraphie oder der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) gemacht werden. Bei beiden Verfahren handelt es sich um nuklearmedizinische Verfahren. Die (DOPA-)PET Untersuchung ist in München, Freiburg, Mainz und Ulm möglich und ist das bessere und neuere Verfahren.
Neuere Studien, insbesondere auch von Herrn Prof. Dr. Neumann aus Freiburg, haben gezeigt, dass die sogenannte 10-Prozent-Regel nicht mehr gültig ist. Früher ging man davon aus, dass Phäos zu jeweils 10 Prozent - bei Kindern, - beidseitig, - außerhalb der Nebenniere (Paragangliome), - erblich und - bösartig vorkommen. Heute weiß man, dass ca. 25 Prozent aller Phäos erblich bedingt sind. Erblich bedingte Phäos sind selten bösartig (Ausnahme SDHB-Mutation), kommen jedoch häufiger beidseitig (18 Prozent) vor sowie außerhalb der Nebenniere (bis zu 20 Prozent).
Wie wird ein Phäochromozytom behandelt?
Die Therapie des Phäos ist die operative Entfernung. Bei Bluthochdruck erfolgt zur Blutdruckkontrolle die Behandlung mit α-Blockern. Eine Behandlung mit Beta-Blocker darf nie vor den α-Blockern erfolgen, da dieses die Symptomatik deutlich verschärfen kann.
Die Operation sollte heutzutage organerhaltend und laparoskopisch (Schlüsselloch-OP, minimal-invasiv) durchgeführt werden. Vor der Operation muss zur Blutdruckkontrolle und Vorbeugung von Blutdruckkrisen eine ausreichend lange und suffiziente Therapie mit α-Blockern erfolgen. Die Dosierung erfolgt einschleichend über ca. zwei Wochen. Die α-Blocker bewirken, dass der Blutdruck gut eingestellt wird und es während der Operation keine Blutdruckkrisen geben kann. Die Vorteile einer laparoskopischen Operation sind u. a. dass während der Operation weniger Stresshormone freigesetzt werden können, der Patient erholt sich schneller und benötigt nach der Operation weniger oder keine Schmerzmittel.
Bösärtige Phäochromozytome
Phäos sind insgesamt selten bösartig (außer bei SDHB-Mutation), bei VHL Betroffenen sind Phäos sehr selten bösartig, d.h. sie bilden sehr selten Fernmetastasen in der Lunge, Leber und den Knochen. Der Pathologe kann auch durch eine feingewebliche Untersuchung des Tumors nicht sicher unterscheiden, ob ein Phäo gut- oder bösartig ist. Alleiniges sicheres Kriterium für die Bösartigkeit des Phäos ist die Fernmetastasierung, d.h. Tumorabsiedelung in anderen Organen.
Zusammenfassung
Phäochromozytome verursachen zum Teil ganz unterschiedliche Symptome, ein Bluthochdruck ist aber fast immer gegeben. Eine durch zuviel ausgeschüttete Stresshormone bedingte Phäo-Krise kann lebensbedrohlich sein. Neben der Labordiagnostik sind bildgebende Verfahren wie CT oder MRT und MIBG-Szintigraphie bzw. DOPA-PET notwendig. Die Operation sollte organerhaltend in der sogenannten „Schlüssellochtechnik“ durchgeführt werden. Vor der Operation ist die Einnahme von α-Blockern notwendig, um Blutdruckkrisen während der OP zu vermeiden. Nach der OP ist eine regelmäßige Nachsorge (Kontrolle) notwendig.
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VHL-Rundbrief Mai/2007; Heft
2; Jahrgang 8
Optimierung der Hydrocortison-Substitutionstherapie
Artikel von Frau Dr. Dr. Birgit Harbeck, AG Endokrinologie der Klinik für
Allg. Innere Medizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein/ Campus Kiel veröffentlicht in GLANDULA 24/07
Das
Hormon Cortisol beeinflusst direkt oder
indirekt alle biochemischen Vorgänge
im Körper, so vor allem die
Regulation des Wasser- und Salzhaushaltes, die Mobilisierung von Energiereserven,
die Immunabwehr und die Reaktion auf Umgebungsreize, wie z.B. Stress
(Erhöhung der Adrenalinsynthese). Es ist für
den Menschen lebenswichtig und muss bei
einem nachgewiesenen Mangel durch die Gabe von Hydrocortison substituiert
(ersetzt) werden.
Abbildung
1: Die Nebenniere — ein wichtiger Hormonproduzent.

Die Nebenniere liegt am oberen Nierenpol. Sie ist von einer feinen Bindegewebskapsel umgeben und besteht aus der Rinde (NNR) und dem Mark.
Die Rinde, die etwa 90 % des Gesamtorgans ausmacht, gliedert sich in 3 Zonen, in denen verschiedene Hormone synthetisiert werden:
1. Zona glomerulosa: In den kleinen, knäuelförmigen Zellen werden Mineralokortikoide (z. B. Aldosteron) gebildet.
2. Zona fasciculata: Die strangartig angeordneten, ziemlich großen Zellen produzieren vorwiegend Glukokortikoide (Cortisol) und geringe Mengen von Sexualhormonen.
3. Zona reticularis: In den netzförmig angeordneten Zellen werden Androgene
(z. B. DHEA) gebildet.
Die gemeinsame Grundsubstanz für die
Synthese aller Steroide (NNR-Hormone, Sexualhormone) ist das Cholesterin. Im
Mark werden die sog. Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin) gebildet.
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Regelkreis
Cortisol
wird neben einer Reihe anderer Hormone in der Nebennierenrinde gebildet (Abb.
1). Seine Synthese (Bildung) und
Freisetzung werden durch einen komplizierten
Regelkreis gesteuert, in dem die
Hypophyse und der Hypothalamus die
Hauptrolle spielen: Im Hypothalamus
wird das Corticotropin Releasing Hormon
(CRH) produziert. CRH wiederum
stimuliert in der Hypophyse die Bildung und Freisetzung des Adrenocorticotropen
Hormons (ACTH). ACTH wirkt auf die
Nebennieren und regt diese zur
Hormonproduktion an.
|
Abbildung 2a:
|
Abbildung 2b:
|
Abbildung 2a: Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Regelkreis.
Abbildung 2b: Störung des
Regelkreises durch einen großen Tumor im Hypothalamus- bzw. Hypophysenbereich
(grün markiert). Als Folge entwickelt sich eine NNR-Insuffizienz mit
unzureichender Cortisol-Produktion.
CRH = Corticotropin Releasing Hormon, wird im
Hypothalamus gebildet und stimuliert in der Hypophyse die Bildung und
Freisetzung von ACTH. ACTH = Adrenocorticotropes Hormon, stimuliert die
Cortisol-Produktion in der Nebennierenrinde.
Die
Cortisol-Sekretion unterliegt einer
zirkadianen Rhythmik mit einem Maximum
am frühen Morgen und einem Minimum gegen Mitternacht. Dabei
wird Cortisol über den Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-
Regelkreis
als Reaktion auf verschiedene Stimuli (Stress, emotionale
Reize, niedrige Spiegel an Cortisol) während des Tages verstärkt
ausgeschüttet (Abb. 2a). Die Regulation der Cortisol-Sekretion erfolgt
vor allem über eine negative Rückkopplung durch das zirkulierende
Hormon, das heißt, ein hoher Cortisol-Spiegel führt zu einer geringeren
Freisetzung von CRH und ACTH. Bei Vorliegen einer Nebennierenrinden-Insuffizienz
ist dieser Regelkreis gestört (Abb.
2b).
Primäre, sekundäre und tertiäre NNR-Insuffizienz
Zu einer
unzureichenden Sekretion des lebenswichtigen
Stresshormons Cortisol (= Hydrocortison) kommt es, wenn die Funktion der
Nebennierenrinde (NNR) beeinträchtigt ist.
Dies kann verschiedene Gründe haben:
1.
Es liegt eine direkte Schädigung der Nebennierenrinde vor. Ursache ist
in 80 % der Fälle eine Autoimmunerkrankung
(M. Addison), seltene Ursachen sind
angeborene Aplasien, Metastasen,
Infektionskrankheiten, etc.
Diese Form der NNR-Insuffizienz wird
als primär bezeichnet.
2.
Von einer sekundären NNR-Insuffizienz spricht man, wenn das
Adrenocorticotrope Hormon (ACTH) ausfällt, das normalerweise
die Nebennierenrinde zur Cortisol-Produktion
anregt. Dies ist z.B. der Fall, wenn die Hormonsynthese im
Hypophysenvorderlappen durch einen Tumor bzw. durch dessen Behandlung
(Operation, Bestrahlung) beeinträchtigt ist.
3.
Die Ursache für einen Cortisol-Mangel kann aber auch eine „Instanz"
höher liegen, nämlich im Hypothalamus. Ist
dort, beispielsweise durch ein Schädel-Hirn-Trauma, eine
Hirnblutung
oder einen Tumor, die Bildung des Corticotropin Releasing Hormon (CRH) gestört, fehlt
der Stimulus für die ACTH-Bildung in
der Hypophyse und als Folge kommt auch
die Cortisol-Bildung in der
Nebennierenrinde zum Erliegen. Wenn eine Funktionsstörung
des Hypothalamus der Auslöser für
einen Cortisol-Mangel ist, nennt man das eine tertiäre NNR-Insuffizienz.
Allen Formen der
NNR-Insufflzienz gemeinsam ist, dass der
Cortisol-Mangel durch eine Hormonersatztherapie
ausgeglichen werden muss.
Bedeutung einer
adäquaten Cortisol-Substitution
Da
die Hormonersatztherapie in den allermeisten Fällen lebenslang notwendig
ist, ist es wichtig, eine adäquate
Substitution durchzuführen, um potenziell ernsten Langzeitschäden
durch eine Über- oder Unterdosierung
vorzubeugen. Zudem ist diese Substitutionstherapie lebenswichtig
zur Stressadaptation
(Stressanpassung). Im Gegensatz zu anderen
Hypophysen- und Nebennieren-Hormonen, die
sich nach einem Ausfall relativ einfach anhand von Laborwerten ersetzen
und einstellen lassen, ist die
Cortisol-Substitution ziemlich problematisch.
Denn zum einen sind zur Therapieüberwachung Laborparameter (Serum-Cortisol,
24-Stunden-Sammelurin) nur bedingt geeignet,
zum anderen gestaltet sich die (Eigen-) Anpassung der Hydrocortison-Dosis in Stresssituation meist schwierig. In
diesem Zusammenhang häufig von
Patienten gestellte Fragen sind:
- Was
ist die optimale Dosis für mich ?
- Wie
muss ich diese Dosis über den
Tag aufteilen?
- Welches
Präparat ist am besten?
- Wie
muss ich die Dosis bei Stress anpassen?
Praktische
Durchführung der Substitutionstherapie
Durch
die (oder auch trotz der) Hormonersatztherapie
soll sich der Patient wohl fühlen und keine Nebenwirkungen verspüren. Das Therapiemonitorring
(-überwachung) beruht daher in erster Linie auf dem klinischen Bild.
Die Messung von ACTH und Serum-Cortisol ist
wenig aussagekräftig, da deren Höhe vom Abstand zwischen
der Blutentnahme und der letzten Hydrocortison-Einnahme beeinflusst wird.
Dosierschemata
Es
gibt verschiedene Dosierschemata zur Imitation der physiologischen (natürlichen) Cortisol-Ausschüttung.
Üblicherweise erhalten Patienten mit NNR-Insuffizienz
zum Hormonersatz 10-30 mg Hy
drocortison täglich, verteilt auf 2
oder 3 Dosen, wobei der Hauptanteil
morgens und der Rest - je nach Schema - am frühen Nachmittag bzw. bei
3 Gaben auch am Abend einzunehmen ist (Abb.
3).

Abbildung
3: Physiologische Cortisol-Sekretion über 24 Stunden (durchgezogene grüne
Linie) und Cortisol-Tagesprofil bei Hydrocortison-Substitution (um 6, 14 und 19
Uhr, gepunktete rote Linie) im Vergleich.
Probleme bei der Substitution
Diese
herkömmliche Substitutionstherapie
kann jedoch die physiologische Cortisol-Ausschüttung Gesunder nicht völlig
imitieren. Wegen der kurzen Halbwertszeit des
zur Substitution üblicherweise verwandten Hydrocortisons von weniger
als 1 Stunde kommt es nachts, in den frühen
Morgenstunden und am Nachmittag vor Einnahme der Nachmittagsdosis
zu sehr niedrigen Cortisol-Spiegeln (vgl. Abb. 3). Dagegen sind die Cortisol-Spiegel 2 Stunden nach Tabletteneinnahme
oft zu hoch. Damit besteht eine zeitweilige
Über- und Untersubstitution mit einem
ausgeprägten Cortisol-Mangel in der Nacht.
Welches Präparat ist am besten geeignet?
Üblicherweise
wird zur Substitution Hydrocortison
verwandt, da es dem körpereigenen
Cortisol entspricht. Seltener wird Cortisonacetat (Cortison Ciba) benutzt. Dieses wird im Körper erst zu Hydrocortison
umgewandelt; dadurch besteht eine etwas
geringere Wirkung, so dass eine höhere Dosierung erforderlich ist (25 mg
morgens, ggf. 12,5 mg nachmittags) .
Von Vorteil ist die längere Verweildauer im Organismus, so dass das Präparat
nur 1- bis 2-mal täglich einzunehmen ist.
Der Nachteil liegt in der schlechteren Dosierbarkeit.
Wie viel Hydrocortison braucht man täglich?
Eine
gesunde Nebenniere produziert
täglich 15—20 mg Cortisol. Dies ist
allerdings nur ein grober Anhaltspunkt. Bei der Bestimmung der
erforderlichen Gesamtdosis sind starke individuelle Schwankungen im
Bedarf zu berücksichtigen (unterschiedliche Sensitivität und
Pharmakokinetik (Aufnahme,
Verteilung und Ausscheidung eines Medikaments im Körper);
zudem ist bei einer sekundären
Nebenniereninsuffizienz oft noch eine
ACTH-unabhängige Restsekretion
vorhanden). Grundsätzlich sollte zur Erhaltungstherapie
die niedrigste ausreichende Dosis
eingenommen werden. Dadurch lassen
sich die Nebenwirkungen einer überhöhten
Substitutionsdosis verhindern:
- Zunahme
des Körpergewichts
- Schlafstörungen
(Schlaflosigkeit)
- Akne
- Osteoporose
(langfristig)
- Gestörter
Glukosestoffwechsel (langfristig).
Mögliche
Folgen einer zu geringen Substitutionsdosis dagegen sind:
- Müdigkeit,
vor allem abends und mittags
- Kopfschmerzen
- Appetitlosigkeit,
Übelkeit, Bauchschmerzen
- Leistungsminderung
- Erhöhte
kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre
Morbidität (langfristig).
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Situation
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Dosis
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„geringer Stress"
(Fieber, viel Sport)
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2-fache Dosis
(30-50 mg Hydrocortison/d)
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„mittelgradiger Stress"
(kleinere operative Eingriffe in Lokalanästhesie, hohes Fieber)
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3-4-fache Dosis
(50-100 mg Hydrocortison/d)
|
|
„maximaler Stress"
(Operationen, Geburten)
|
Abgestuftes Schema
(50 mg Hydrocortison i.V. als Bolus, dann 100-200
mg/24 h als Infusion, 2. Tag: 50
mg/24 h als Infusion, 3. Tag: 30 mg p.o., Dosisreduktion nach Schwere
der Erkrankung)
|
|
Erbrechen, Durchfall
|
Ggf. parenterale Substitution, 2-5-fache Dosis
|
|
Psychischer Stress
|
Keine Erhöhung?
|
|
Schicht/Nachtarbeit
|
Dreiteilung der Tagesdosis günstig 1/2 - 1/4 - 1/4), vermutlich keine höhere
Abenddosis erforderlich
|
Tabelle 1: Anpassung der Hydrocortison-Dosis in
Stresssituationen.
Anzustreben
ist immer eine den individuellen Bedürfnissen angepasste Substitutionstherapie,
das heißt, die Dosis wird so
gewählt, dass sich der Patient wohl fühlt
und möglichst keine Nebenwirkungen auftreten. Allerdings erschwert die
individuell stark unterschiedliche Pharmakokinetik des Hydrocortisons die Substitution,
so dass nach Einzelfall entschieden
werden muss.
Auf wie viele Einzelgaben sollte man die
Hydrocortison-Menge aufteilen?
Verschiedene
Studien haben gezeigt, dass häufigere Hydrocortison-Gaben zu
einem verbesserten Wohlbefinden führen, weil sie die physiologische Rhythmik besser nachahmen. In Untersuchungen
zur 3x täglichen Gabe kam es nach der Cortisol-Einnahme seltener zu einem
supraphysiologischen
Hypercortisolismus (überhöhter
Cortisol-Spiegel) als bei der 2x täglichen Gabe. Außerdem litten die
Patienten weniger unter einem nachmittäglichen Tief.
Aktuelle Forschungsergebnisse
Um
vor allem die nächtlichen Cortisol-Defizite
bei einer Substitutionstherapie zu
vermeiden und die natürliche
Rhythmik besser zu imitieren, wurde die Entwicklung von retardierten (den
Wirkstoff verzögert freisetzen) Hydrocortison-Präparaten
oder -Pumpen in Erwägung gezogen. In diesem Zusammenhang wurde
in Kiel eine Studie durchgeführt,
die der Frage nachging, ob sich die
kognitive Leistungsfähigkeit und emotionale
Befindlichkeit von Patienten mit
NNR-Insuffizienz durch eine nächtliche
Hydrocortison-Substitution verbessern lassen. Dazu erhielten 14 Patienten mit primärer oder sekundärer NNR-Insuffizienz
eine nächtliche Hydrocortison-Infusion zusätzlich zur üblichen oralen
Standardtherapie. Das überraschende
Ergebnis: Obwohl ihre Cortisol-Spiegel nahezu dem Referenzbereich
von gesunden Menschen entsprachen, waren die Studienteilnehmer nicht signifikant leistungsfähiger und fühlten sich auch nicht signifikant besser als unter der alleinigen oralen
Standardtherapie. Aber es waren Tendenzen zu
einer Verbesserung des Wohlbefindens festzustellen (weniger Erschöpfung,
weniger Müdigkeit). Dass sich aus der
Höhe des Cortisol-Spiegels keine direkten Rückschlüsse auf das Befinden
des Patienten ziehen lassen, zeigen
folgende Ergebnisse:
Dieselbe
Hydrocortison-Dosis
führte bei den einzelnen
Patienten zu stark unterschiedlich hohen
Cortisol-Spiegeln.
Trotz
gleicher Cortisol-Spiegel hatten
die Patienten eine unterschiedliche Wohlfühlwahrnehmung.
Anpassung der
Hydrocortison-Dosis bei Stress
In
besonderen Stresssituationen ist es notwendig, die erforderliche Hydrocortison-Dosis
eigenständig zu erhöhen. Die maximale Cortisol-Produktionsrate
einer gesunden NNR bei Stress beträgt
200-300 mg/d. Daher wird Patienten mit
NNR-Insuffizienz geraten, in Stresssituationen die
Hydrocortison-Dosis auf das 2-bis
5-Fache zu erhöhen. Einzelheiten dazu sind Tabelle 1 zu entnehmen. Da
die individuellen Erfahrungswerte entscheidend sind, sollte die Dosierung
unbedingt mit dem behandelnden
Endokrinologen abgesprochen werden.
Nicht
zu vergessen: Patienten mit Nebenniereninsuffizienz benötigen einen
Notfallausweis, der regelmäßig kontrolliert
und ggf. ergänzt werden sollte (Abb. 4),
sowie eine Notfallmedikation, z. B. mit Rektodelt®-Zäpfchen.
Abbildung 4: Beispiel eines Notfallausweises für
Patienten mit NNR-Insuffizienz.
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VHL-Rundbrief
Aug./2006; Heft 3; Jahrgang 7
Labordiagnostik des Phäochromozytoms
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Bericht vom 1. Internationalen Symposium über Phäochromozytome
Übersetzt aus dem VHL Family Forum Dez. 2005
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VHL-Rundbrief Nov./2005; Heft 4; Jahrgang 6
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Dresden 2005
Vortrag Dr. Brauckhoff, Facharzt für Endokrine Chirurgie, Geschäftsführender Oberarzt und Stellvertre-tender Klinikdirektor, Klinik für
Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
michael.brauckhoff@medizin.uni-halle.de
Thema: Chirurgie der Nebennieren
|
sporadisch |
MEN 2 |
VHL |
| Altersdurchschnitt (J) |
40-50 |
25-40 |
15-25 |
| Tumorgröße (cm) |
3 - >10 |
3-5 |
3-5 |
| Tumoranzahl |
>1 |
>1 |
>1 |
| beidseitiges Auftreten |
<2% |
>50% |
20-80% |
| Entartung |
20-25% |
<3% |
<3% |
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VHL-Rundbrief Nov./2004; Heft 4; Jahrgang 5
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Münster 2004
Vortrag Prof. Dr. Walz, Chefarzt Klinik für Chirurgie und Zentrum für Minimal Invasive Chirurgie, Kliniken Essen Mitte, Ev. Huyssens-Stiftung
Thema: Die moderne Behandlung von Nebennierentumoren
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VHL-Rundbrief Nov./2003; Heft 4; Jahrgang 4
Vortrag Prof. Dr. Dörr, Universitätskinderklinik, Abt. Pädiatrische Endokrinologie;
Thema: Diagnostik und Therapie der Nebennierenrindeninsuffizienz
Einleitung:
Prof. Dörr ist Kinderarzt und Endokrinologe an der Universitätskinderklinik in Erlangen. Er berichtete, dass Phäochromozytome bei Kindern insgesamt selten auftreten, aber
auch auf eine erbliche Tumorerkrankung wie VHL zurückzuführen sind.
Hat der Betroffene aufgrund von mehreren Phäochromozytomen oder aufgrund von nicht-organerhaltenden Operationen keine Nebennieren mehr oder nur noch eine geringe
Restfunktion, kann es zu einer Nebenniereninsuffizienz kommen.
Insuffizienz bedeutet „Schwäche“ oder „ungenügende Leistung“. Wenn hormon-produzierende Drüsen insuffizient werden, produzieren sie nicht mehr genug Hormone. Ohne die medikamentöse Einnahme der ausgefallenen Hormone (Hormonersatztherapie) kann der Mensch nicht überleben.
Anatomie und Funktion der Nebenniere
Die Nebennieren sitzen als orangefarbene Kappen auf den Nieren, sie sind 3-eckig geformt, 7,5 cm lang und 1,3 cm hoch. Sie besteht aus einem Zentrum (Mark) und einer Rinde, die ca. 90 Prozent der Masse ausmacht. Drei Arterien versorgen jede Nebenniere mit Blut; eine Vene führt in die Nebenniere. In der Nebennierenrinde werden verschieden Hormone produziert, die wichtigsten sind
Cortisol (auch Hydrocortison genannt) und Aldosteron.
Cortisol ist ein „Zuckerhormon“, das den Körper mit Zucker versorgt, während Aldosteron das „Salzhormon“ ist.
Die Nebennierenrinde besteht aus 3 Schichten, in denen die unterschiedlichen Hormone produziert werden. In der dünnen Außenschicht wird z.B. Aldosteron produziert. Eine dicke, mittlere Schicht produziert z.B. Cortisol und in der innersten Schicht werden Sexualhormone wie z.B. Dehydroepiandrosteron
(DHEA) produziert. Im Vorderlappen der Hypophyse (auch Hirnanhangsdrüse genannt) werden Hormone gebildet und in den Blutkreislauf abgegeben. Zumeist steuern die Hypophysenvorderlappen-Hormone die Produktion von weiteren Hormonen in anderen Drüsen des Körpers. Im Falle der Nebenniere setzt die Hirnanhangdrüse ACTH
(Adrenocorticotropes Hormon) frei,
ACTH stimuliert die Nebennieren.
Cortisol-Regelkreis
ACTH bewirkt eine Zunahme der Cortisol-ausscheidung aus der Nebennierenrinde. Wird im Körper Cortisol verbraucht und fällt damit die im Blut vorhandene Menge ab, so ist das der Reiz für die sofortige Bildung der beiden übergeordneten Hormone, so dass dann auch gesteigert Cortisol hergestellt wird. Ist der Blutspiegel wieder aufgefüllt, kommt das System auf allen Ebenen zur Ruhe. Da während der Nacht die meisten Körperfunktionen auf „Sparkurs“ arbeiten, besteht auch nur ein reduzierter Bedarf an
Cortisol. Damit frühmorgens die Organe und Funktionen aktiv werden können, ist ein rascher Anstieg der Cortisolbildung Voraussetzung. Im Laufe des Tages lässt die Produktion nach und erreicht um Mitternacht wieder ihr Minimum
(zirkadianer Rhythmus). Ähnlich diesem Regelkreis gibt es den
Renin-Angiotensin-Aldosteron-Regelkreis.
Wirkung von Cortisol
Cortison und Cortisol werden als Glukohormone (= Zuckerhormone) bezeichnet, weil es eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist, dem Körper stets in ausreichender Menge den „Brennstoff“ Zucker zur Verfügung zu stellen. Daneben greifen sie auch in viele andere Stoffwechselvorgänge ein. Außerdem beeinflussen sie die Bildung und Verteilung der verschiedenen Blutzellen und steuern Abwehrvorgänge im Organismus.
In seiner Gesamtheit sorgt Cortisol für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im inneren Milieu (=
Homöostase) und ist somit lebensnotwendig.
Schließlich ist das Nebennierenrindenhormon verantwortlich für die Anpassung des Körpers an die verschiedenen Belastungen, die man als Stress bezeichnet. Das geschieht durch plötzliche Mehrbildung des Hormons bis zum 10-fachen der normalen Tagesproduktion. Cortisol ist also auch Hormon für den Stress.
Ernährung
Betroffene mit Nebenniereninsuffizienz sollten folgende Ernährungshinweise beachten:
Reichlich Eiweiß: Fleisch, Fisch, Milch, Hülsenfrüchte
Reichlich Vitamine: Obst und Gemüse
Reichlich Calcium: Milch, Milchprodukte
Reichlich Kalium: Gemüse, Obst, Kartoffeln
Wenig Salz: mit pflanzlichen Gewürzen kochen und würzen,
Wenig Zucker: auf Zucker, Süßigkeiten, Süßspeisen verzichten.
Kein Kalorienüberschuss: wenig Fett, auf „versteckte“ Fette achten,
wenigstens 50% der Nahrungsmenge auf Kohlenhydratbasis stellen.
Symptome bei Nebenniereninsuffizenz
Damit die Symptome einer Nebenniereninsuffizienz auftreten, müssen mindestens 90% der Nebennierenrinde zerstört sein. Die Symptome selbst ergeben sich im Wesentlichen aus dem Mangel an Cortisol und
Aldosteron. Bei einer sich langsam entwickelnden Nebennierenrindeninsuffizienz kommt es zu Appetitmangel und Übelkeit, evtl. mit Erbrechen. Dadurch bedingt sich ein Gewichtsverlust. Die körperliche Leistungsfähigkeit sinkt. Auch die Fähigkeit des Körpers, Infektionen abzuwehren, nimmt ab. Der Blutdruck ist niedrig, durch den Natriummangel besteht oft „Salzhunger“.
Diagnostik
In der Regel genügt eine einfache Blutentnahme mit Bestimmung der Hormonkonzentrationen im Blut nicht. Meist benötigt man sogenannte Stimulationstests, bei denen die Reaktion der Hormone auf bestimmte Testsubstanzen oder übergeordnete Hormone untersucht wird. Es muss untersucht werden, ob der Regelkreis intakt ist. Dies kann nötig werden, weil nicht alle Hormone in immer gleichen Mengen im Blut zirkulieren, oder in Abhängigkeit vom Stress schwanken können.
Für eine Nebenniereninsuffizienz spricht, wenn Cortisol im Blut und Urin niedrig und ACTH im Blut deutlich erhöht ist. Außerdem sind die Plasma-Renin-Aktivität
(PRA) bzw. Renin erhöht (als Zeichen des Aldosteronmangels). Am einfachsten lässt sich mit einem ACTH-Test feststellen, ob die Nebennieren genügend Cortisol produzieren.
Behandlung bei Nebenniereninsuffizienz
Durch den Hormonmangel besteht die Notwendigkeit, die fehlenden Hormone von außen zuzuführen (Substitutionstherapie).
Da sich zerstörtes Nebennierengewebe nicht regenerieren kann, muss die Hormonersatztherapie ein Leben lang erfolgen.
Der Cortisolmangel kann durch Hydrocortison oder ähnliche Präparate (Cortisonacetat,
Prednisolon) ausgeglichen werden. Die Cortisoleigenproduktion des Gesunden schwankt im Tagesverlauf und ist frühmorgens am höchsten. Man versucht deshalb, den natürlichen Rhythmus nachzuahmen, indem man die Tagesdosis in 2-3 Teildosen über den Tag aufteilt. 2/3 der Tagesmenge wird morgens eingenommen, der Rest verteilt sich auf den Nachmittag. Bei Müdigkeit am späten Nachmittag kann auch noch abends eine Tablette eingenommen werden. Grundsätzlich kann Hydrocortison als Tablette eingenommen werden, im Falle von Erbrechen und Durchfall muss es injiziert (gespritzt) werden (siehe unten).
Wichtig für den Betroffenen ist, zu wissen, dass der Organismus im Falle von außergewöhnlichen Belastungen seine Cortisoleigenproduktion auf das Mehrfache erhöht.
Deshalb muss man selbstständig im Fall von außergewöhnlicher körperlicher Belast-ung oder bei Infektionen die Cortisoldosierung erhöhen. Unterbleibt dies, kann es im schlimmsten Fall zur sogenannten „Addison-Krise“ kommen.
Das zweite zu ersetzende Hormon ist das bereits erwähnte, blutdruckaktive Aldosteron.
Da Aldosteron selbst in der Darmschleimhaut nicht gut aufgenommen wird, gibt man das sehr ähnliche Medikament
Fludrocortison. Ähnlich dem Regelkreis ACTH-Cortisol wird auch das Aldosteron über
Renin, ein in der Niere gebildetes Hormon, gesteuert. Die Höhe der Plasmareninaktivität und der Elektrolyte sind für den Arzt Hilfen bei der Ermittlung des Substitutionsbedarfes.
Ärztliche Kontrollen
Die Häufigkeit ärztlicher Kontrollen hängt von der Güte der medizinischen Einstellung ab, deren allerwichtigster Parameter das persönliche Wohlbefinden ist. Ein wichtiger Kontrollwert ist auch der Blutdruck. Ein zu hoher Blutdruck kann Zeichen einer
Cortisol-/Aldosteronübersubstitution sein, ein zu geringer Hinweis auf eine Untersubstitution mit
Fludrocortison. In diesem Fall wird der Arzt auch die Plasmareninaktivität und die EIektrolyte bestimmen. Blutcortisolbestimmungen sind aufgrund der bereits erwähnten Tagesschwankungen weit weniger bedeutend, man kann daher auch Cortsiol im Speichel und im Urin (24-Stunden) messen.
Grundsätzlich sind zu Therapiebeginn engmaschige Kontrollen in wöchentlichen bis monatlichen Abständen nötig. Ist die Therapie erst einmal gut eingestellt, reichen halbjährliche Kontrollen aus. Im Fall von Infekten, Gewichtsveränderungen, Müdigkeiten oder Leistungsknick sollten Sie Ihren Arzt allerdings möglichst bald zur Kontrolluntersuchung aufsuchen.
Verhalten bei Übelkeit, Erbrechen oder bei Durchfall
Beim Erbrechen besteht die Gefahr, dass die Hydrocortisontablette gar nicht lange genug im Magen verbleibt, um den Wirkstoff über die Darmschleimhaut in die Blutbahn gelangen zu lassen. Ähnliches gilt für die bei Durchfallerkrankungen beschleunigte Darmpassage. Somit besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht Ihre benötigte Hydrocortisonmenge zu sich nehmen. Hinzu kommt, dass bei den der Übelkeit und dem Erbrechen zugrundeliegenden Erkrankungen der Cortisolbedarf höher als normal ist. Dies gilt auch für die Durchfallerkrankungen. Es ist also unerlässlich, das Hydrocortison auf anderem Wege als mit Tabletten zuzuführen. Eine Möglichkeit wäre die Gabe über Injektionen (Spritzen). Falls nur Erbrechen, aber kein Durchfall besteht, kann man sich auch in der Apotheke schnellwirkende Hydrocortisonzäpfchen für den Fall des Falles herstellen lassen und zu Hause aufbewahren.
Auslandsreisen
Besonders belastend für den Organismus sind fieberhafte Infekte, Erbrechen und Durchfall. All dies stellt sich in südlichen Ländern während des Urlaubs mit vorhersehbarer Sicherheit ein. Hier nutzt es, wenn den Patienten ein Ausweis in der Landessprache mitgegeben wird oder Telefonnummer von erfahrenen Ärzten (Endokrinologen).
Flugreisen mit Zeitverschiebung
Besonders bei Reisen nach Osten machen sich Zeitverschiebungen unangenehm bemerkbar (Müdigkeit, Schlaflosigkeit). Die Substitutionsdosis soll wie bisher morgens zur gewohnten Stunde eingenommen werden; d.h. zwischen 7- 8 Uhr Lokalzeit. Dass hierdurch das Einnahmeintervall um einige Stunden verschoben wird (bei Flug nach Osten kürzeres Intervall), ist ohne Bedeutung. Bei der Substitutionstherapie wird auch empfohlen, über einen Tag die doppelte Dosis zu nehmen. Gesicherte Daten gibt es hierzu nicht.
Schicht- oder Nachtarbeit
Selbstverständlich können Patienten mit Nebennierenrindeninsuffizienz auch Schicht- und Nachtarbeit leisten. Da der Wechsel des Schichtdienstes bei uns meist unphysiologisch schnell erfolgt, bevor sich der Körper hierauf eingestellt hat (hierzu benötigt er etwa 14 Tage), kann Hydrocortison wie sonst auch genommen werden.
Notfallausweis
Alle Patienten mit einer Nebenniereninsuffizienz brauchen einen Notfallausweis. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn sie bei einem unerwarteten Ereignis von einem Arzt behandelt werden sollten, der Sie persönlich nicht kennt.
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VON HIPPEL-LINDAU ERKRANKUNG - Leitfaden für Patienten und Ärzte - Hrsg.
Verein für von der Hippel - Lindau (VHL) Erkrankung betroffene Familien e.V.,
Nov. 2002
Autor: Prof. Dr. H. Neumann, Medizinische Universitätsklinik Freiburg
Beitrag: Veränderungen der Nebennieren/Phäochromozytome
Die
Nebennieren sind kleine, etwa x 2 x 2 cm im Durchmesser große Organe, die den Nieren aufsitzen. Sie bestehen
aus einem Mark- und einem Rindenanteil. Phäochromozytome sind meist gutartige
Tumoren des Nebennierenmarks. Dem Nebennierenmark gleichartiges Gewebe gibt
es aber auch an anderen Stellen im hinteren Bauchraum, dort können sich solche
Tumoren auch entwickeln; man nennt sie extraadrenale Phäochromozytome.
Etwa
20% der VHL-Patienten entwickeln Phäochromozytome. Phäochromozytome produzieren
sog. Stresshormone (Noradrenalin und Adrenalin) im Überschuss und geben sie in die Blutbahn ab. Oft
geschieht dies phasenweise. Die typischen Krankheitszeichen treten deshalb
attackenartig auf. Schweißausbrüche, Kopfschmerzen und ein "Herzgefühl"
(oft durch Pulsrasen) führen die Patienten zum Arzt. Häufig sind die Attacken
dann vorbei, es lässt sich nichts mehr feststellen. Ist der Tumor noch aktiv,
so findet sich ein erhöhter Blutdruck. Für die Patienten sind die Attacken
unangenehm; Gefahren drohen ihnen durch die Herzbelastung und den stark erhöhten
Blutdruck. Eigentlich bösartige (maligne) Phäochromozytome
mit Metastasen sind bei der Von Hippel-Lindau Erkrankung extrem selten.
Die
Diagnostik besteht zum einen in der Messung der Stresshormone, zum anderen
im Nachweis der Tumoren als Raumforderungen. Stresshormone oder Katecholamine
umfassen Adrenalin, Noradrenalin, Vanillinmandelsäure, Metanephrine und
Normetanephrine,
die im 24-Stunden-Urin oder im Blut (Plasma) gemessen werden können. Bildgebende
Verfahren sind Ultraschalluntersuchung (Abb. 18), Computertomographie (Abb.
19), Kern-spintomographie (Abb. 20), Metaiodobenzylguanidin (MIBG-) Szintigraphie
(Abb. 20) und DOPA-Positronenemissions-tomographie (DOPA-PET) (Abb. 20 und
21). Zu empfehlen sind die Messung von Noradrenalin, Adrenalin und Vanillinmandelsäure
im 24-Stunden-Urin sowie eine Kernspintomographie des Bauchraumes in frontaler
(coronarer) und horizontaler (transversaler) Ebene. Hierdurch lassen sich
auch die hin und wieder außerhalb der Nebennieren gelegenen Phäochromozytome
gut darstellen. Bei der Von Hippel-Lindau Erkrankung kommen Phäochromozytome nicht selten an mehren Stellen (multipel) entweder gleichzeitig
oder im Abstand vieler Jahre vor.

Abb. 18:
Ultraschalluntersuchung mit Darstellung eines Phäochromozytoms der rechten
Nebenniere. Seitliche Ansicht mit Schnittbild eines liegenden Patienten, außerhalb
des Bildes sind Kopf links und Füße rechts zu denken. Man sieht den Tumor
(T), die Leber (L) und die Niere (K).

Abb. 19:
Computertomographie des Bauches mit Darstellung eines Phäochromozytoms.
Das Phäochromozytom ist mit T markiert. Weitere markierte Organe und Strukturen
sind L= Leber, W= Wirbelkörper, A = Aorta (Hauptschlagader im Bauch).

Abb. 20:
Darstellung eines Phäochromozytoms mittels verschiedener Techniken. Der
Pfeil kennzeichnet das Phäochromozytom. A: 18Fluor-DOPA Positronenemissionstomographie
(DOPA-PET), B und C: MIBG Szintigraphie in üblicher Technik (B) und mittels
SPECT (C) (single photon emission computed tomography), D und E: Kernspintomographie
in horizontaler (oder transversaler) Ebene (D) und frontaler (oder coronarer)
Schnittebene (E).
In A finden sich auch Anreicherungen in beiden Nierenbecken und der Harnblase
(natürliche Ausscheidung des 18Fluor DOPA).

Abb. 21:
18Fluor DOPA-Positronenemissionstomographie (DOPA-PET) Phäochromozytoms
außerhalb der Nebennieren. Der Tumor ist mit einem großen Pfeil, die Harnblase,
über die die Substanz ausgeschieden wird, mit einem kleinen Pfeil gekennzeichnet.
Er liegt in der Mittellinie und etwas weiter unten als die Nebennieren und
ist daher klar außerhalb der Nebennieren gelegen.
Für
die Operationsplanung ist es deshalb sehr wichtig zu wissen, ob nur ein oder
mehrere Tumoren vorliegen. Deshalb sollte die Kernspintomographie durch eine
MIBG-Szintigraphie oder eine DOPA-PET-Untersuchung ergänzt werden. Vor der
Operation ist eine Vorbehandlung - eine Blockade der Wirkung der Stresshormone
- beginnend etwa 7 Tage vor der Operation, notwendig. Wegen der Lage der Nebennieren
im hinteren Oberbauch waren bis vor kurzem Operationen mit meist recht langen
Schnitten üblich; dabei sind zwei Zugangswege möglich, nämlich ein Bauch-
oder ein Flankenschnitt. In den letzten Jahren hat sich die "Schlüsselloch"-Operation,
d. h. das endoskopische Operieren immer weiter entwickelt. Heute ist deshalb
die laparoskopische Entfernung von Phäochromozytomen die zu empfehlende Behandlung.
Weil oft beide Nebennieren Phäochromozytome entwickeln, sollte die Operation
organerhaltend durchgeführt werden. Die Operation ist fast immer erfolgreich,
d. h. die Tumoren können vollständig entfernt werden, was zu einem Verschwinden
aller Beschwerden führt. Der jüngste VHL-Patient mit einem Phäochromozytom
wurde in Freiburg beschrieben und war ½
Jahre alt. Diesbezügliche Vorsorgeuntersuchungen empfehlen wir deshalb
ab dem 6. Lebensjahr. In diesem Alter erscheint eine Sonographie zusammen
mit der Bestimmung der Katecholamine im 24-Stunden-Urin ausreichend, um die
Probleme, die mit einer Kernspintomographie bei Kindern auftreten können,
zu umgehen.
Es
ist anzumerken, dass Phäochromozytome in der Schwangerschaft durch den Druck
des größer werdenden Kindes vereinzelt zu Komplikationen mit schweren Hochdruckkrisen
geführt haben. Die Behandlung ist in solch einer Situation besonders schwierig.
Jedoch kann im mittleren Schwangerschaftsdrittel eine endoskopische Phäochromozytom-Operation
durchaus gewagt und erfolgreich - für Mutter und Kind - durchgeführt werden.
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VHL-Rundbrief Nov./ 2001; Heft 4; Jahrgang 2
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Berlin 2001
Vortrag Prof. Dr. H.P.H. Neumann, Klinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg,
Abteilung Innere Medizin IV, Schwerpunkt Nephrologie
Thema: Diagnostik von VHL-assoziierten Tumoren von Nieren,
Nebennieren und Pankreas.
Prof. Neumann ist seit langem auf dem Gebiet der VHL-Erkrankung
tätig. Sein Engagement gilt seit vielen Jahren nicht nur der Erforschung und
Behandlung, sondern auch Aufklärung und Information der Patienten. Er ist Mitglied
unseres wissenschaftlichen Beirats wie auch in der amerikanischen Selbsthilfegruppe.
Bevor Prof. Neumann seinen eigentlichen Vortrag begann, berichtete
er kurz über aktuelle Entwicklungen. Er hat eine Untersuchung über die sogenannte
„Schwarzwald – Mutation“ veröffentlicht. Aus dieser Untersuchung wird ersichtlich,
dass die Lebenserwartung für Personen mit dieser spezifischen Mutation genauso
hoch ist, wie bei nicht erkrankten Personen, wenn die Kontrolluntersuchungen
regelmäßig vorgenommen werden. Aufgrund der geringen Fallzahlen lassen sich
bislang noch keine Aussagen für andere VHL Mutationen machen.
Des weiteren berichtete Prof. Neumann, dass
es seit kurzem an der Universitätsklinik in Freiburg eine „von Hippel – Lindau
- Station“ gibt. Dieses ist einmalig in Deutschland!
Der Schwerpunkt des Vortrages von Prof. Neumann lag bei
der Diagnose und Therapie der Phäochromozytome („Phäos“). Phäos treten zu neunzig
Prozent in den Nebennieren auf; zehn Prozent sind „extra adrenal“ gelegen,
d.h. außerhalb der Nebennieren in den Paraganglien. Symptome die auf ein Phäo
hinweisen können, sind u.a. hoher Blutdruck, starkes Schwitzen, Herzrasen.
Für die Diagnostik von Phäos gibt es
verschiedene
Untersuchungsmethoden. Prof. Neumann berichtete über eine Studie an der Uniklinik
in Freiburg über die Aussagekraft der verschiedenen möglichen
Diagnoseverfahren.
Dabei wurde festgestellt, dass eine Ultraschalluntersuchung bei den
bildgebenden
Verfahren schlechte Resultate erzielt. Mit Hilfe des Ultraschalls wurden weniger
als fünfzig Prozent entdeckt. Für eine CT Untersuchung waren diese
Ergebnisse
deutlich besser (etwa 75%) aber nicht zufriedenstellend. Mit Hilfe der
MIBG-Szintigraphie
und des Kernspins (MRT) wurden hingegen mit 95 Prozent fast alle Tumoren diagnostiziert.
Unter den Laboruntersuchungen ist eine Blutuntersuchung
(Noradrenalin und Adrenalin im Plasma) wenig aussagefähig. Hingegen sind die
Ergebnisse für die Bestimmung der Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin
und Vanillinmandelsäure) im 24-Stunden Urin sehr gut.
In Freiburg werden daher folgende
Diagnoseverfahren
eingesetzt: die 24-Stunden Blutdruckmessung, der 24-Stunden Urin, das Kernspin
sowie vor der Operation die MIBG Szintigraphie, um mögliche weitere Tumoren
zu entdecken.
Prof. Neumann berichtete über eine Studie,
bei der die sogenannte „DOPA-PET Untersuchung“ bei Phäos zur Anwendung kam.
Dr. Högerle aus der Abteilung für Nuklearmedizin in Freiburg hat dieses spezielle
Verfahren untersucht und in Freiburg weltweit zum ersten Mal eingesetzt. Bei
der Positronen Emissions Tomographie (PET) handelt es sich um eine Art
strahlentechnisches
Verfahren (ähnlich der MIBG Szintigraphie wird eine radioaktiv markierte
Substanz
eingesetzt), das dreidimensionale Bilder ermöglicht. Dem Patienten wird
radioaktiv
markiertes DOPA gespritzt. Dieser Marker reichert sich im Körper dort an, wo
Adrenalin bzw. Noradrenalin im Überschuss gebildet werden. Die Bilder werden
mit Hilfe einer Gammakamera erstellt.
Die Operation sollte endoskopisch
(Schlüsselloch-Technik) und wenn irgend möglich organerhaltend durchgeführt
werden. Prof. Neumann berichtete, dass diese Operationsmethode seit kurzem
auch in Freiburg bei Phäos zur Anwendung kommt. Die Patienten sollten so weit
möglich immer endoskopisch operiert werden, da der nachoperative Heilungsprozess
für den Patienten deutlich angenehmer sei.
Am Ende seines Vortrages ging Prof. Neumann
auf das Nierenkarzinom ein. Das Nierenkarzinom ist bei VHL Betroffenen die
häufigste Form des bösartigen Tumors, selten kommen noch bösartige Tumoren in
der Bauchspeicheldrüse vor. Die Nierentumoren sollten ab einer Größe von 4-5
cm operiert werden, da ansonsten die Gefahr von Metastasen deutlich zunimmt.
Prof. Neumann hob hervor, dass unbedingt eine organerhaltende Operation anzustreben
sei, um eine drohende Dialyseabhängigkeit oder eine Nierentransplantation zu
vermeiden. Anhand von Bildern verdeutlichte er zudem, dass die Diagnosesicherheit
angesichts unterschiedlicher Diagnoseverfahren wie auch ähnlicher, Zysten produzierender
Erkrankungen entscheidend von der Behandlungserfahrung abhängt.
Bei den Tumoren in der Bauchspeicheldrüse
handelt es sich um solide Tumoren, die ab einer Größe von 3 cm operiert werden
sollten. Da multiple Pankreaszysten auch möglich sind, empfiehlt sich eine
Untersuchung
durch einen erfahrenen Radiologen. Auf Grund ihrer Seltenheit - in Freiburg
bei nur ein Prozent aller Betroffenen – liegt ein präzises
Behandlungskonzept jedoch noch nicht vor.
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VHL-Rundbrief Nov./2000; Heft 4; Jahrgang 1
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Koblenz 2000
Vortrag PD Dr. M.K. Walz, Chefarzt der Klinik für Chirurgie und des Zentrums für Minimal Invasive Chirurgie; Kliniken Essen-Mitte
Thema: Chirurgie der Nebennieren und der Paraganglien; moderne Verfahren
Herr Priv.-Doz. Dr. Walz referierte in seinem Vortrag auf sehr
anschauliche und anregende Weise über die Chirurgie der Nebennieren und der
Paraganglien. Bei VHL-Betroffenen treten häufig Tumoren im Nebennierenmark auf,
sogenannte Phäochromozytome. Diese Tumoren können jedoch auch außerhalb der Nebennieren
auftreten; dort werden sie als Paragangliom bezeichnet. Sie produzieren Stresshormone
(Adrenalin und Noradrenalin), die von den Tumoren in den Blutkreislauf abgegeben werden.
Dies kann zu stark erhöhten Blutdruckwerten, zum Herzrasen und zum vermehrten Schwitzen
führen.
Herr Priv.-Doz. Dr. Walz hat ein Verfahren entwickelt, bei dem mit
Hilfe der "Schlüssellochchirurgie" operiert wird. Dabei sind nur ganz kleine
Einschnitte in die Haut nötig. In diese Hautöffnungen werden wenige Millimeter große
Metallhülsen gesteckt, durch die man dann mit einer Art Fernsehkamera in den Körper
sehen und gleichzeitig operieren kann. Der Eingriff dauert etwa 90 bis 120 Minuten, am
Ende wird der Tumor in einen kleinen Plastikbeutel gesteckt, der dann durch eine der
Hautöffnungen herausgezogen wird. Mittlerweile wird dieses Verfahren auch - so weit
möglich - organerhaltend durchgeführt, was für VHL-Betroffene sehr bedeutsam ist.
Um Blutdruckkrisen während des Eingriffs zu vermeiden, werden über
mehrere Tage hochdosiert blutdruckstabilisierende Medikamente (sogenannte a-Blocker)
gegeben. Dies geschieht bereits während des stationären Aufenthalts.
Bei keinem der Patienten war bisher eine Blutübertragung nötig. Auch
kamen typische operativen Komplikationen wie Nachblutungen oder Infektionen bisher nicht
vor. Außerdem ist der Schmerzmittelbedarf sehr gering.
Auch bei Phäochromozytomen, die sich außerhalb der Nebennieren
entwickelt haben, den sogenannten Paragangliomen, können heute endoskopische Verfahren
angewandt werden. Dabei richtet sich das Operationsverfahren vorrangig nach der
Lokalisation des Tumors. Vor jeder Nebennierenoperation sollte durch eine
MIBG-Szintigrapie vorher abgeklärt werden, ob neben den Phäochromozytomen noch
Paragangliome vorliegen.
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VHL-Rundbrief Feb./2000, Heft 1
Die endoskopische Operation beim Phäochromozytom
Von Priv.-Doz. Dr. M.K. Walz,
Chefarzt der Klinik für Chirurgie und des Zentrums für Minimal Invasive Chirurgie
Kliniken Essen-Mitte, Henricistraße 92; 45136 Essen; Tel.: 0201 1741809; FAX.:
0201 1741812; E-Mail: martin.walz@uni-essen.de
Phäochromozytome sind Tumoren, die
meistens in der Nebenniere entstehen. Sie produzieren Streßhormone (Adrenalin und
Noradrenalin), die von den Tumoren in den Blutkreislauf abgegeben werden. Dies kann zu
stark erhöhten Blutdruckwerten, zum Herzrasen, zur plötzlichen Blässe und zum
vermehrten Schwitzen führen. Damit haben diese Tumoren gefährliche Nebenwirkungen, und
sollten bald operiert werden.
Die Nebennieren sind Drüsen, die versteckt mitten
im Körper liegen. Sie sind von den großen inneren Organen (Leber, Milz, Magen,
Bauchspeicheldrüse, Nieren) umgeben und befinden sich außerdem direkt neben der
Bauchschlagader und der unteren Hohlvene. Diese besondere anatomische Lage macht operative
Eingriffe an diesen Organen verhältnismäßig kompliziert, weshalb sie meistens von
Spezialisten durchgeführt werden. In der Vergangenheit konnten die Nebennieren nur
operiert werden, in dem man einen relativ großen, ca. 20 - 25 cm langen Leibschnitt
entweder an der Bauchdecke längs- oder querverlaufend oder am Rücken vornahm. Beim
hinteren Schnitt war auch die Entfernung der 11. oder 12. Rippe erforderlich. Natürlich
sind derart große Operationswunden für den Patienten mit erheblichen, manchmal auch
chronischen, postoperativen Schmerzen verbunden.
In den letzten Jahren sind erhebliche Fortschritte
auf dem Gebiet der Nebennieren-chirurgie erzielt worden. So ist es inzwischen möglich,
diese Organe und die darin befindlichen Tumoren also auch die Phäochromozytome -
mit Hilfe der "Schlüsssellochchirurgie" zu operieren. Dabei sind nur noch kurze
Einschnitte in die Haut nötig. In diese Hautöffnungen werden wenige Millimeter große
Metallhülsen gesteckt, durch die man dann mit einer Art Fernsehkamera in den Körper
sehen und gleichzeitig operieren kann. Eine dieser neuen Methoden, die wir
"posteriore retroperitoneoskopische Adrenalektomie" genannt haben, wurde von uns
in Essen 1994 entwickelt und ist von uns inzwischen über 150-mal erfolgreich angewandt
worden.
Die meisten unserer Patienten litten an einseitigen,
kleinen, weniger als 5 - 6 cm messenden, gutartigen, hormonproduzierenden Tumoren der
Nebenniere. Bei 30 Patienten lag ein Phäochromozytom vor. Grundsätzlich ist bei diesen
Patienten eine besonders sorgfältige Vorbereitung auf die Operation notwendig. Um
Blutdruckkrisen während des Eingriffs zu vermeiden, werden über mehrere Tage hochdosiert
blutdruckstabilisierende Medikamente (sogenannte a-Blocker) gegeben. Dies geschieht
bereits während des stationären Aufenthalts.
Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Um
zur Nebenniere zu gelangen benötigen wir nur 3 Hautöffungen, eine 10 Millimeter und zwei
5 Millimeter lang. Der Eingriff dauert etwa 90 bis 120 Minuten, am Ende wird der Tumor in
einen kleinen Plastikbeutel gesteckt, der dann durch eine der Hautöffnungen herausgezogen
wird. Auf diese Weise wird eine Streuung der Tumorzellen sicher vermieden. Am
Operationstag darf der Patient aufstehen, trinken und essen, die stationäre Behandlung
ist nach etwa drei Tagen beendet. Bei keinem unserer Patienten war bisher eine
Blutüber-tragung nötig. Auch kamen typische operativen Komplikationen wie Nachblutungen
oder Infektionen bisher nicht vor. Vor allem aber hat uns der niedrige postoperative
Schmerzmittelbedarf überrascht: so hat die Hälfte unserer Patienten nach der Operation
überhaupt kein Schmerzmittel verlangt und die anderen Hälfte nur eine einmalige Gabe
innerhalb der ersten Stunden benötigt. Letztlich spielt die Kosmetik auch eine wichtige
Rolle, tatsächlich bleiben nach diesem Eingriff kaum sichtbare Narben übrig.
Inzwischen haben wir unsere Operationstechnik noch
weiter verfeinert. So ist es nun in geeigneten Situationen möglich, nur das krankhafte
Tumorgewebe und nicht - wie früher üblich - die gesamte Nebenniere auf der betroffenen
Seite zu entfernen. Auf diese Weise behält der Patient gesunde Organanteile, was in
seinem weiteren Leben durchaus bedeutsam werden kann. Besonders wichtig ist dieses
organerhaltende Operationsverfahren für Patienten mit beidseitigen Nebennierentumoren,
z.B. von Hippel-Lindau- oder MEN II-erkrankte Patienten mit beidseitigen
Phäochromozytomen oder der Anlage, beidseitige Phäochromozytome zu entwickeln. Früher
hat man in solchen Fällen fast ausnahmslos beide Nebennieren komplett entfernt, woraufhin
die Betroffenen eine lebenslange Hormon-substitution durchführen mußten. Heute kann man
dies vermeiden, indem man Teile des gesunden Organs an Ort und Stelle beläßt. Wir haben
diese organerhaltende endoskopische Operationstechnik - zum Teil unter Zuhilfenahme der
intraoperativen Ultraschalluntersuchung - mittlerweile bei über 30 Patienten erfolgreich
angewandt. Bei allen wurde das hormonproduzierende Tumorgewebe vollständig entfernt. Drei
Patienten mit beidseitigen Tumoren haben funktionierende, gesunde Nebennierenreste, so
daß sie keiner Hormonsubstitution bedürfen.
Auch bei Phäochromozytomen, die sich außerhalb der
Nebennieren entwickelt haben, den sogenannten Paragangliomen, können heute endoskopische
Verfahren angewandt werden. Dabei richtet sich das Operationsverfahren vorrangig nach der
Lokalisation des Tumors. Es muß also in jedem Einzelfall festgelegt werden, wie man am
schonendsten zu dem Paragangliom gelangt. Dies kann entweder - so wie bei der Nebenniere -
von hinten oder auch einmal von der Seite oder von vorne am bestem sein.
Insgesamt gesehen stehen mit den neuen endoskopischen
Operationsverfahren sichere und sehr schonende Methoden zur Verfügung, die leider noch
nicht überall angeboten werden können.
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