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Stand: 04.12.2011
Betroffene Organe -
Veränderungen der Niere
Informationen über die Diagnose und Therapie von Nierenzellkarzinom Nierenzysten bei von Hippel Lindau VHL
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VHL-Rundbrief Dez./2011; Heft 3; Jahrgang 12
Vorträge Informationsveranstaltung Stuttgart 2011
Thema: Nierenzellkarzinome bei VHL – Das Vorgehen aus Sicht eines Nephrologen
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VHL-Rundbrief Nov./2010; Heft 4; Jahrgang 11
Vorträge Informationsveranstaltung Köln 2010
Thema: Radiofrequenzablation von Nierenzellkarzinomen
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von Hippel-Lindau (VHL) | Eine patientenorientierte Krankheitsbeschreibung
März 2010
Beitrag:
Nierenkarzinom und Nierenzysten
Dr. Jilg und Prof. Dr. Schultze-Seemann, Freiburg; Dr. Roos und Prof. Dr. Thüroff, Mainz
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VHL-Rundbrief Nov./2009; Heft 4; Jahrgang 10
Vorträge Informationsveranstaltung Berlin 2009
Thema: Nierenbeteiligung bei der VHL Erkrankung
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VHL-Rundbrief
Nov./2006; Heft 4; Jahrgang 7
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Mainz 2006
Vortrag Prof. Thüroff, Direktor der Urologischen Klinik der Johannes- Gutenberg-Universität
Mainz
Thema: Organerhaltende Operationen bei Nierentumoren
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VHL-Rundbrief Nov./2005; Heft 4; Jahrgang 6
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Münster 2004
Vortrag Dr. Roigas
Thema: Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Nierentumoren
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VHL-Rundbrief
Nov./2003 und Feb./2004;
Vortrag Dr. Nikolay,
KfH (Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation), Dialysezentrum Fürth;
Thema: Medizinische Aspekte zur Dialysebehandlung und Nierentransplantation
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VON HIPPEL-LINDAU ERKRANKUNG - Leitfaden für Patienten und Ärzte - Hrsg.
Verein für von der Hippel - Lindau (VHL) Erkrankung betroffene Familien e.V.,
Nov. 2002
Autor: Prof. Dr. H. Neumann, Medizinische Universitätsklinik Freiburg
Beitrag: Veränderungen der Nieren
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VHL-Rundbrief Nov./2002; Heft 4; Jahrgang 3
Vortrag Prof. Dr. Schulze-Seemann, Urologische Klinik Universität Freiburg
Thema: Therapie von Nierenkarzinomen bei der VHL Erkrankung

VHL-Rundbrief Dez./2011; Heft 3; Jahrgang 12
Vorträge Informationsveranstaltung Stuttgart 2011
Herr Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Ärztlicher Direktor des Robert Bosch Krankenhauses, Chefarzt der Abteilung Allgemeine Innere Medizin und
Nephrologie, Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart
Thema: Nierenzellkarzinome bei VHL – Das Vorgehen aus Sicht eines Nephrologen
Prof. Dr. Alscher ist nicht nur ärztlicher Direktor des Robert-Bosch-Krankenhauses, sondern auch Vorstandsvorsitzender des Instituts für Digitale Medizin (IDM), deren Stiftungszweck das Vorhalten von medizinischen Datenbanken für wissenschaftliche Projekte ist. Das IDM ist Partner der VHL-Selbsthilfegruppe bei der Etablierung einer klinik- und forscher-unabhängigen Biomaterialbank.
Als Nephrologe legte er den Schwerpunkt seines Vortrages nicht auf die unterschiedlichen operativen Möglichkeiten, sondern darauf, woran VHL-Betroffene denken sollten, wenn sie eine eingeschränkte Nierenfunktion haben, um sich eine hohe Lebensqualität zu erhalten.
Der Krankheitsmechanismus bei Nierenzellkarzinomen (NZK) ist bei sporadischen (nicht erblichen) und hereditären (erblichen) – wie VHL – teilweise durch ähnliche Defekte geprägt. Ist eine Zelle durch Mutationen der entsprechenden Gene krankhaft verändert, führt dies zu einer Situation, die dem eines zellulären Sauerstoffmangels entspricht. Daraufhin werden weitere neue Gefäße gebildet und der Tumor wird mit mehr Sauerstoff versorgt und kann weiter wachsen.
Sporadische Nierenzellkarzinome treten in der Regel einmalig auf, während VHL-Betroffene das Risiko haben mehrere Tumoren zu entwickeln und in beiden Nieren. Deshalb wird bei sporadischen Tumoren oft auch die komplette Niere entfernt. Da bei VHL-Betroffenen in einer Hälfte des Genoms schon von Geburt an ein Defekt vorliegt, ist nur noch ein Defekt im anderen Allel notwendig, damit eine Zelle sich krankhaft verändert. Bei Nicht VHL-Betroffenen müssen beide Defekte in einer Zelle innerhalb des gesamten Lebens entstehen, daher sind sie deutlich älter als
VHL-Betroffene, bei denen ein NZK im Schnitt im Alter von knapp 40 Jahren auftritt (+- 10 Jahre).
Neben Nierenzellkarzinomen können bei der VHL-Erkrankung als urologische Manifestationen auch noch Nierenzysten, Phäochromozytome sowie Zystadenome in den Nebenhoden beim Mann und den breiten Mutterbändern bei der Frau auftreten.
Das Risiko einer Metastasierung (Fernabsiedlungen) von Nierenzellkarzinomen bei VHL-Erkrankung ist ab einer Größe von 7 cm des Primärtumors sehr hoch. Es gab aber auch Fälle, bei denen Metastasen schon ab einer Größe von 4,5 cm auftraten. Keine Metastasen sind bislang bei einer Größe des Primärtumors bis 3 cm aufgetreten. Daher gibt es die Empfehlung des NIH (National Institut of Health in den USA) ab einer Größe von 3 cm zu operieren. Aber es kann auch möglich sein, bis zu einer Größe von 4 cm mit einer Operation zu warten, wenn die Wachstumsgeschwindigkeit des betreffenden Tumors langsam ist, da dies auf ein geringeres Metastasierungsrisiko hinweist.
Anhand von verschiedenen Publikationen, bei denen immer verschiedene Behandlungsmöglichkeiten miteinander verglichen wurden, konnte folgendes gezeigt werden:
Die Lebenserwartung und Lebensqualität von VHL-Betroffenen mit einer eingeschränkten Nierenfunktion wird entscheidend beeinflusst von der Art der Operation, der Betreuung durch einen
Nephrologen, die Wahl der Dialyseverfahren und dem Zeitpunkt einer Transplantation.
VHL-Betroffene sollten, wenn möglich, immer organerhaltend operiert werden. Je länger die Nierenfunktion aufrecht erhalten werden kann, desto besser. Die Nierenfunktion wird durch die Kreatinin-Konzentration im Blut bestimmt. Aus der Kreatinin-Konzentration wird mit Formeln die glomeruläre Filtrationsrate
(GFR) abgeschätzt. Diese stellt das Maß für die Nierenfunktion dar. Ein GFR von über 90 liegt bei einer normalen Nierenfunktion vor und wird als Stadium 1 bezeichnet, während ein GFR von unter 15 im Stadium 5 ein Nierenversagen bedeutet. Ab einem GFR von < 60ml/min sollte ein Nephrologe aktiv in die Betreuung mit einbezogen werden. Dieser kann u. a. durch eine bessere Einstellung des Blutdrucks dafür sorgen, dass die Notwendigkeit der Dialyse zeitlich hinausgezögert werden kann. Lässt sich eine Dialyse nicht vermeiden, sollte sie längerfristig vorbereitet werden. Zunächst muss entschieden werden, ob die Peritoneal- oder Hämodialyse in Betracht kommt. Weiterhin, ob eine sofortige Transplantation bei vorhandenem Lebendspendeorgan eine Option darstellt. Bei Entscheidung für die Peritonealdialyse müssen außer dem Training keine vorbereitenden Maßnahmen erfolgen, der Katheter wird erst bei Dialysepflichtigkeit implantiert. Fällt die Entscheidung für die Hämodialyse muss ab einer GFR < 20ml/min ein Shunt diskutiert und operiert werden. Dabei handelt es sich um eine künstlich herbeigeführte arteriovenöse Fistel, einem „Kurzschluss“ von Arterie und Vene. Die Reifung der arteriovenösen Fistel dauert 3-6 Monate. Der Vorteil eines Shuntes ist, dass nur das venöse Niederdrucksystem für die Hämodialyse punktiert werden muss, bei einem allerdings arteriellen Blutflussvolumen, wie es für die Blutwäsche benötigt wird.
Wo die Dialyse durchgeführt wird, zuhause oder im Zentrum, ist ebenfalls von Bedeutung. Es sollte möglichst eine Heimdialyse durchgeführt werden.
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VHL-Rundbrief Nov./2010; Heft 4; Jahrgang 11
Vorträge Informationsveranstaltung Köln 2010
Vortrag Prof. Dr. Mahnken, Oberarzt an der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Aachen
Thema: Radiofrequenzablation von Nierenzellkarzinomen
Prof. Mahnken ist Oberarzt an der Klinik für Radiologische Diagnostik und zusammen mit der Urologie am Aachener Universitätsklinikum werden dort seit 8 Jahren Patienten mit Nierenzellkarzinomen regelmäßig mit der Radiofrequenzablation behandelt.
In seinem Vortrag ging Prof. Mahnken zunächst auf die Häufigkeit des Nierenzellkarzinoms in der Gesamtbevölkerung ein, um dann die Situation bei VHL-Betroffenen zu betrachten. In der US Krebsstatistik für das Jahr 2009 lag das Nierenzellkarzinom mit 3 Prozent Anteil an allen Krebserkrankungen beim Mann auf dem 10. Platz. Bei den Frauen war die Häufigkeit noch geringer und wurde unter „sonstiges“ mit aufgeführt. Dies zeigt, dass der Nierenzellkarzinom in der Gesamtbevölkerung recht selten vorkommt. Bei VHL-Betroffenen kommen bei 40-60 Prozent aller Betroffenen Nierenzellkarzinome vor, die zu dem oft auch beidseitig und/oder wiederholt auftreten können. Es sind in der Regel zystische Tumoren, die im Laufe der Zeit entarten, d.h. Metastasen (Fremdabsiedlungen) entwickeln können.
Das Nierenzellkarzinom wird in 4 verschiedene Stadien eingeteilt, wobei bei
VHL-Betroffenen, die ihre Kontrolluntersuchungen jährlich machen, nur das Stadium 1 relevant ist. Unter Stadium 1 werden Tumoren gefasst, die maximal 7 cm groß sind. Untersuchungen zeigen, dass bei Nierenzellkarzinomen, die kleiner als 4 cm sind (Stadium 1a), die Lymphknoten nicht befallen sind, während über eine Größe von 4 cm bei etwa 2,5 Prozent der Betroffenen die Lymphknoten von Metastasen befallen sind (Stadium 2b).
Es gibt verschiedene Formen der Behandlung. Die teilweise oder komplette Entfernung der Niere, sowohl in offener oder in laparoskopischer Technik ist die am häufigsten eingesetzte Therapieform.
Die Chemo- und Immuntherapie kann beim metastasierenden Nierenzellkarzinom zur Anwendung kommen (siehe
PKB, Kapitel 8, Seite 86 ff). Schließlich gibt es neuere Verfahren, bei denen Tumoren durch Hitze bzw. Kälte verödet werden. Zu den sogenannten thermo-ablativen Verfahren gehört die Kryotherapie (siehe auch Vortrag Dr.
Gök), bei der Tumoren bei einer Temperatur von – 180 Grad vereist werden. Statt durch Kälte wird bei der Radiofrequenz-
ablation (RFA) der Tumor verkocht. Auf dieses Verfahren wird im Folgenden eingegangen.
Indikation
Eine RFA kommt insbesondere in Betracht bei:
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Patienten, die mehrere Tumoren haben bzw. bei denen die Gefahr besteht, dass sie zukünftig auch Nierenzellkarzinome entwickeln (wie bei
VHL-Betroffenen)
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nur noch einer Niere
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metastasiertem Nierenzellkarzinom
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Hochrisikopatienten bzw. Patienten, bei denen eine Operation nicht in Betracht kommt, oder die eine Operation ablehnen (Anm. häufig bei Zeugen Jehovas).
Kontraindikation
Grundsätzlich kann die RFA bei Tumoren bis 4 cm fast immer angewandt werden. Gegen eine RFA kann sprechen, wenn das Nierenzellkarzinom so zentral gelegen ist, dass die Gefahr groß ist, dass das Nieren-Hohlsystem mitbetroffen ist bzw. beschädigt werden kann. Aber auch hier gibt es Methoden, um z.B. das Hohlsystem zu schonen bzw. das umliegende gesunde Gewebe wird während der RFA weggehalten, um nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Zysten stellen kein Hindernis dar.
Klinische Anwendung
Bei der Radiofrequenztherapie (RFA) handelt es sich um ein Verfahren, bei dem der Tumor oder die Metastase durch Hitze zerstört wird. Die Hitze wird durch eine Sonde eingebracht, die am sichersten unter CT-Kontrolle in den Tumor platziert wird. Grundsätzlich kann auch die Darstellung der Sonde über Ultraschall oder MRT erfolgen. Der Ultraschall hat sich jedoch bei manchen Tumorlokalisationen als wenig praktikabel bzw. unsicher erwiesen und beim MRT gibt es derzeit nur einen Anbieter der entsprechende Sonden anbietet. Hinzu kommen die hohen Kosten für die MRT. Durch einen Radiofrequenzgenerator wird ein hochfrequenter Wechselstrom erzeugt, der über die Sonde zu einem Temperaturanstieg im Gewebe auf 90 bis 105°C führt. Der Tumor wird hierdurch an Ort und Stelle „verkocht“. Der Vorteil der RFA liegt in dem kleinen Durchmesser der Sonden (weniger als 2 Millimeter) und der erzielbaren Tumorgröße (bis 5 cm ohne Sondenverlagerung). Dies ist dadurch möglich, dass in dem Tumor die Sonde wie ein Regenschirm geöffnet werden kann und somit ein großes Volumen erhitzt werden kann. Die Nierenzellkarzinome sind häufig kugelig bzw. eiförmig, so dass mit entsprechend geformten Schirmen der gesamteTumor abgedeckt werden kann. Bei anderen Tumorformen können entsprechend anders geformte Sonden eingesetzt werden. Die Kontrolle der Tumorzerstörung erfolgt je nach verwendetem Gerät über eine direkte Temperaturmessung oder einer Bestimmung der Leitfähigkeit des Gewebes während des Eingriffs. Dies geschieht über die Sonde selbst, zusätzliche Sonden sind nicht erforderlich. Nach erfolgreicher Tumorbehandlung wird der Punktionsweg während der Sondenentfernung koaguliert, d.h. durch die Hitze verschlossen. Eine Tumorzellverschleppung tritt hierbei nicht auf und das Risiko einer Nachblutung ist minimal.
Da die Hitzebehandlung von Metastasen oder Tumoren je nach Lage schmerzhaft sein kann, erfolgt der Eingriff entweder unter Schmerzmittelgabe bzw. Narkose. Letzteres ist sowohl für den Patienten als für den Behandler angenehmer, da so sichergestellt wird, dass der Patient gleichmäßig atmet und sich nicht unerwartet bewegt. Die Dauer des Eingriffs beträgt je nach Größe und Anzahl der behandelten Tumoren zwischen einer und drei Stunden. Der Patient kann das Krankenhaus in der Regel am nächsten oder
übernächsten Tag verlassen.
Um Tumoren sicher zu behandeln, die größer als 3,5 cm sind, erfolgt vorab eine Angiographie (Gefäßdarstellung) bei der die Gefäße durch eine Embolisation verschlossen werden und die Blutzufuhr des Tumors somit ausgeschaltet wird.
Nebenwirkungen
Das zerstörte Gewebe verbleibt in der Niere und wird vom Körper nach und nach abgebaut bis nur noch eine Narbe überbleibt. Nach der Behandlung kann es zu einer durch das Immunsystem hervorgerufenen Abgeschlagenheit oder einem Grippegefühl kommen. Bei kleinen Tumore (< 3cm) kommt dies jedoch nur selten vor. Manchmal kann die Narbe an der Niere bis zu einem halben Jahr dem Patienten Probleme machen und die Stelle, wo die Sonde eingeführt wurde, kann bei der Atmung sehr selten hinderlich sein.
Verlaufskontrolle
Unmittelbar nach dem Eingriff sowie nach 3 und 6 Monaten wird durch CT oder MRT-Aufnahmen der Verlauf kontrolliert. Wichtig ist, dass hier Kontrastmittel gegeben wird, um die Durchblutung in der behandelten Region zu analysieren.
Ergebnisse
Im Aachener Klinikum gab es bei mehr als 100 Behandlungen bisher einen einzigen Patienten, der am Folgetag nachbehandelt werden musste. Ein Nierenzellkarzinom an der gleichen Stelle
(Lokalrezidiv) trat bei einer Nachbeobachtung bis zu 5 Jahren bei keinem Patienten auf. Es gab einige Patienten, die an anderen Stellen Nierenzellkarzinome entwickelt haben; dies kann jedoch bei allen Therapieformen geschehen. Die Rate an neuen Tumoren ist bei VHL Patienten in der Literatur für RFA und operative Therapie identisch. Auch kann die RFA häufiger durchgeführt werden, als eine offene Nierenoperation.
Die Ergebnisse aus 6 Publikationen aus den Jahren 2005-2009 ergaben, dass es in insgesamt 94 Prozent aller Fälle (708 Tumoren) eine komplette Tumorkontrolle gab. Wurden nur die Publikationen genommen, bei denen die Bildgebung durch CT anstatt Ultraschall erfolgte, lag die Tumorkontrolle noch höher.
Komplikationen
Komplikationen treten in der Literatur bei weniger als 7 Prozent der Patienten auf. Dazu zählen auch geringfügige Komplikationen, die den Krankenhausaufenthalt nicht verlängern, als auch welche, die es erforderlich machten, dass der Patient einen Tag länger im Krankenhaus bleiben musste. Die häufigste Komplikation war, dass der Patient durch den Stich der Sonde Blut im Urin hatte, dies muss normalerweise aber nicht behandelt werden. Selten war Blut in der Harnblase, die eine Spülung der Harnblase durch einen Katheter erforderlich machte. Nachblutungen oder Verletzungen des Hohlsystems sind bei erfahrenen interventionellen Radiologen sehr
selten.
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von Hippel-Lindau (VHL) | Eine patientenorientierte Krankheitsbeschreibung
März 2010
Beitrag:
Nierenkarzinom und Nierenzysten
Dr. Jilg und Prof. Dr. Schultze-Seemann, Freiburg; Dr. Roos und Prof. Dr. Thüroff, Mainz
Zusammenfassung
Die Manifestationen der VHL-Erkrankung in der Niere sind Nierenzysten und klarzellige Nierenzellkarzinome. 25-45 Prozent der Genträger entwickeln Nierentumoren, beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Das Diagnosealter liegt in der Regel vor dem 40. Lebensjahr. Das Wachstum der meisten Tumoren ist langsam. Hat der größte Tumor einen Durchmesser von 4 cm erreicht, so sollte die vollständige Entfernung aller Tumoren unter Erhalt der Niere angestrebt werden. Damit soll eine Metastasierung verhindert werden und die Nierenfunktion erhalten bleiben. Das Nachsorgeintervall beträgt 12 Monate, in der Regel sollten MRT Untersuchungen erfolgen. Medikamentöse Therapien sind nur bei Metastasen indiziert. Zunehmend etablieren sich alternative Verfahren zur Operation, bei denen die Tumoren thermisch zerstört werden
(Radiofrequenzablation, Kryotherapie).
Einleitung
Der Mensch hat normalerweise zwei Nieren die im rückwärtigen Bauchraum gelegen sind und eine Längsausdehnung von ca. 11-12 cm haben (Abb. 7). Sie dienen der Entgiftung des Körpers und haben eine zentrale Rolle im Rahmen der Regulation des Wasser- und Mineralsalzhaushaltes. Bei den typischen Veränderungen, die im Rahmen der von Hippel-Lindau-Erkrankung auftreten, handelt es sich um Nierenzysten, ebenso wie um solide Nierentumoren (Nierenzellkarzinome). Beide Veränderungen der Nieren kommen nicht ausschließlich bei der VHL-Erkrankung vor. Auch in der Normalbevölkerung ist das Risiko im Laufe des Lebens einzelne oder mehrere Nierenzysten zu entwickeln ca. 20 Prozent, wobei das Risiko mit dem Alter zunimmt. Bei Nierenzysten handelt es sich prinzipiell um harmlose zystische Veränderungen, die eine klare bernsteinfarbene Flüssigkeit enthalten. Bösartige Entartungen sind im Rahmen einfacher Nierenzysten bei der
Normalbevölkerung sehr selten. Im Rahmen von Krankheitsbildern, wie der
VHL-Erkrankung, sind Nierenzysten eine typische Vorstufe oder ein Begleitphänomen von bösartigen Nierentumoren. Das Risiko in der gesunden Bevölkerung im Laufe des Lebens einen Nierentumor (meist Nierenzellkarzinom) zu entwickeln, liegt bei 1,3 Prozent (life time
risk). Damit ist er ein eher seltener Tumor, der mit einem Häufigkeitsgipfel um das 62. Lebensjahr auftritt. Nierenzellkarzinome sind Tumoren, die ihren Ursprung vom so genannten Tubulus-Apparat oder dem Sammelrohrsystem nehmen. Auch bei Patienten, die nicht von der VHL-Erkrankung betroffen sind, entstehen die Nierentumoren interessanterweise in 80 Prozent durch eine Spontanmutation oder durch den Verlust des von
Hippel-Lindau-Gens. Insofern ist hier der gleiche genetische Mechanismus wie bei der VHL-Erkrankung gegeben, mit dem Unterschied, dass es sich um eine nicht erbliche, spontane genetische Veränderung handelt. Solch eine Veränderung wird als sporadisch bezeichnet.
Der Tumortyp, der sich bei der VHL-Erkrankung entwickelt, ist klarzellig. Im Unterschied zur Normalbevölkerung entwickeln VHL-Patienten solche Tumoren im Durchschnitt 20 Jahre früher. Im Gegensatz zu den sporadischen Nierentumoren werden solche Tumoren als hereditäre (vererbliche) Nierentumoren bezeichnet.
Die Tumoren entwickeln sich in der Regel in Zysten (Abb. 8), in denen sie eine Zeitlang unentdeckt wachsen können und insbesondere von unerfahrenen Radiologen als einfache oder sog. komplizierte Zysten bezeichnet werden. Komplizierte Zysten unterscheiden sich von normalen Zysten durch eine verstärkte Randsaumbildung, Kalkeinlagerung und feine unterteilende Membranen (Abb. 8-rechts). Mit entsprechender Erfahrung lassen sich Tumoren in Zysten durch MRT oder CT jedoch gut diagnostizieren.

Abb.
7:
Schematische Darstellung der Lage der Nieren im rückwärtigen Raum in Bezug zur Hauptschlagader des Körpers (Aorta).
Diagnostik der VHL-Nierenveränderungen
Prinzipiell sind sowohl Nierenzysten wie Nierentumoren im Ultraschall sehr gut darstellbar. Da jedoch bei den VHL-Patienten der Zysten- und Tumoranteil nach eigenen Untersuchungen zum Teil bis 97 Prozent des Nierengewebes ausmachen kann, ist hier den so genannten Schnittbildverfahren der Vorzug gegeben. Dies sind die Computertomographie oder die Kernspintomographie des Bauchraumes. Wann immer es möglich ist, sollten für die vergleichenden Untersuchungen Kernspintomogramme herangezogen werden, da sie eine Abbildung in allen drei Ebenen liefern und ohne jede Strahlenbelastung für die Patienten sind. Hierbei kann sehr klar zwischen zystischen und soliden Veränderungen unterschieden werden (Abb. 9).
Nierentumoren sind bereits ab einer Größe von etwa 5 mm zu erkennen. Aufgrund vergleichender Untersuchungen, die in der Regel in 12 Monatsabständen durchgeführt werden, können unter Heranziehung entsprechender Volumenberechnungen die Tumorverdopplungszeit und die Wachstumsgeschwindigkeit berechnet werden. Ist eine Metastasensuche notwendig, so ist im Bauchraum die MRT-Untersuchung zum Ausschluss von Lymphknoten- oder Lebermetastasen von exzellenter Qualität. Für eine Suche nach Metastasen in den Lungen kommt eine Computertomographie des Brustraums ohne Kontrastmittel zur Anwendung.

Abb.
8:
Links: Darstellung mehrerer normaler Nierenzysten (schwarze Kreise) im Ultraschall. Rechts: Darstellung einer komplizierten Zyste (Z, Bosniak II), mit Septierungen und
Kalkeinlagerungen.
Biologie der Nierentumoren
Die meisten Nierenzellkarzinome wachsen, sofern sie überhaupt wachsen, langsam mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von ca. 0,3 cm pro Jahr. Insgesamt ist relativ wenig über die Wachstumsgeschwindigkeit der Nierenzellkarzinome bekannt, die sich in kleineren Studien oftmals nicht von den gutartigen Tumoren unterscheidet. Generell zeichnen sich die Nierenzellkarzinome dadurch aus, dass sie keinerlei Frühsymptome verursachen. Durch die Lage im hinteren Bauchraum sind sie im Frühstadium weder tast- noch sichtbar. Sie können eine erhebliche Größe annehmen, bevor sie zu lokalen Problemen führen. Heute werden die meisten Tumoren in einem
symptomfreien Stadium zufällig im Rahmen einer durchgeführten Ultraschall-, Computertomographie- oder Kernspintomographieuntersuchung aufgedeckt.
Dies hat auch zu einem durchgreifenden Wandel der Therapie geführt, da Tumoren in frühen Stadien mit einer deutlich besseren Prognose einhergehen und häufig in Abhängigkeit der Tumorlokalisation eine Organerhaltung möglich ist.
Aus einer großen Serie in der Freiburger Klinik konnte bis in die frühen 1990er Jahre der Eindruck gewonnen werden, dass das Metastasierungsrisiko der sporadischen Nierentumoren jenseits der Größe von 4 cm Durchmesser deutlich ansteigt, während bei den VHL-Patienten in der Regel Metastasierungen erst ab einer Tumorgröße von 7 cm auftraten. Diese grundsätzliche Einschätzung konnte in den vergangenen Jahren bestätigt werden. Im Einzelfall hängt jedoch das Metastasierungsrisiko wesentlich stärker von der so genannten Tumorverdoppelungszeit, also dem Wachstumsverhalten der Tumoren, ebenso wie der Lage (zentral gegenüber oberflächlich gelegenen) ab. Aufgrund der vergleichenden Arbeit der sporadischen Tumoren mit den VHL-Tumoren wurde die Entscheidung getroffen, bei den VHL-Patienten einen operativen Eingriff erst dann anzustreben, wenn der größte Tumor 4 cm Durchmesser beträgt. Im Einzelfall sollte eine solche Entscheidung heute eher vor dem Hintergrund des Tumorwachstums überdacht werden und der Interventionszeitpunkt ggf. vorverlegt werden. Schnell wachsende, zentral gelegene Tumoren sollten möglichst schnell operiert werden, um den Verlust an gesundem Nierengewebe möglichst gering zu halten.

Abb.
9:
MRT eines VHL-Patienten
Therapie der Nierentumoren
Die Therapie der Nierentumoren ist grundsätzlich operativ, da Nierenzellkarzinome weder strahlensensibel sind, noch auf eine Chemotherapie ansprechen. Eine medikamentöse Therapie ist den metastasierten Nierentumoren vorbehalten, da die Substanzen, die das Wachstum der Nierentumoren hemmen, erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Nebenwirkungen, Therapieversagen, Resistenzbildung und nur zeitlich eingeschränktes Ansprechen der Tumoren auf die medikamentöse Therapie, stehen einer Langzeittherapie entgegen. Des Weiteren kommt es nicht selten zu einem „Aufholwachstum“ nach Absetzen der Behandlung. Langzeitbeobachtungen fehlen gänzlich, so dass außerhalb von Studien prinzipiell operablen VHL-Patienten von solchen Therapien abgeraten werden muss. Daher genießt das operative Vorgehen (Entfernung der Nierentumoren) unverändert oberste Priorität.

Abb.
10:
Schematische Darstellung der Entfernung eines am Rande der Niere gelegenen Tumors.
Die Nierenzellkarzinome werden heute in ca. 50 Prozent auch bei sporadisch auftretenden Karzinomen in Abhängigkeit der Lokalisation und der Größe mit einem kleinen Randsaum an normalen Nierenparenchym (Sicherheitsabstand) organerhaltend operiert, dabei wird im Fall eines sporadischen Nierenzellkarzinoms in der Regel nur der vorhandene solitäre Tumor entfernt (Abb. 10).
Auch bei VHL-Patienten ist die operative Therapie der Eckpfeiler der Behandlung der Nierenzellkarzinome, wobei VHL-Patienten in der Regel mehrere Tumoren haben können. Einzelne Raumforderungen sind die Ausnahme, damit ist das operative Vorgehen komplexer. Da meist zusätzliche zahlreiche Nierenzysten vorliegen, in denen sich kleinste Nierenzellkarzinome bereits verbergen können, sollte auch der Versuch unternommen werden, die Mehrzahl der zystischen Veränderungen operativ zu entfernen. Da die Veränderungen in der Regel in beiden Nieren auftreten können, sollte grundsätzlich immer angestrebt werden eine organerhaltende Operation durchzuführen.
Für die organerhaltende Operation ist eine vorübergehende Unterbrechung der Blutzufuhr notwendig, jene sollte eine Dauer von 30 bis 60 Minuten nicht überschreiten. Im Falle einer längeren Unterbrechung der Blutzufuhr geht die Organfunktion unwiderruflich verloren. Bei der laparoskopischen Operation (minimal invasives Vorgehen - Schlüssellochtechnik) können allenfalls einzelne Tumoren, entfernt werden. Aus diesem Grunde hat sich die Laparoskopie bei den VHL-Tumoren der Nieren nicht durchgesetzt.
Auch bei Zweit- oder Dritteingriffen, sollte der Versuch einer Organerhaltung in jedem Fall unternommen werden. Zu bedenken ist, dass aufgrund von Narbenbildung und Verwachsungen durch den
Ersteingriff, der Folgeeingriff deutlich schwieriger ist und somit bisweilen in einer Nierenentfernung endet.
In Ausnahmefällen lässt sich eine Tumorfreiheit nur durch komplette Entfernung einer oder beider Nieren erzielen. Während die Entfernung einer Niere meistens unproblematisch hinsichtlich der Entgiftung des Körpers ist, bedeutet das Entfernen beider Nieren unweigerlich die Notwendigkeit einer Dialysebehandlung, d.h. einer regelmäßigen Blutwäsche.
Thermoablative Verfahren
In den vergangenen Jahren haben sich so genannte Thermoablative Verfahren etabliert, deren Prinzip die Zerstörung des Tumorgewebes durch Kälte oder Wärme ist. Bei einer Kältebehandlung wird mittels eines kleinen Hautschnitts eine spezielle Sonde in den Bauchraum eingeführt und über diese Argongas eingeleitet, welches Temperaturen von ca.
-100 °C herbeiführt und zum Absterben des Tumorgewebes führen soll. Andererseits kann ebenfalls durch eingeführte Sonden eine Temperatur von über
100° Celsius im Tumor erzielt werden. Auch dies führt zur definitiven Schädigung von Tumorzellen mit der Konsequenz des Absterbens. Beide Verfahren müssen für die Nierentumoren noch als experimentell angesehen werden, da Langzeitnachbeobachtungen und Ergebnisse von Vergleichsstudien mit den standardisierten Operationsverfahren der organerhaltenden Nierentumorentferung noch ausstehen.
Da die Invasivität dieser Eingriffe grundsätzlich deutlich geringer ist, als die eines operativen Eingriffs und auch die potentielle Gefährdung der Nierenfunktion durch die Unterbrechung der Blutzufuhr entfällt, sollte bei jedem neu aufgetretenen Nierentumor bis 2 cm Größe die Diskussion geführt werden, ob eine solche Behandlung durchführbar ist. Dabei muss die Lage eines solchen Tumors berücksichtigt werden, da aufgrund der sehr niedrigen oder sehr hohen Temperaturen umliegendes Gewebe (Dickdarm / Dünndarm / Gallenblase / Bauchspeicheldrüse) mit geschädigt werden kann, deren Folgen lebensbedrohliche Komplikationen sein könnten. Dennoch stellen beide Verfahren eine wichtige Bereicherung des Spektrums der Therapie der VHL-Tumoren dar. Dies gilt zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nur für Tumoren bis ca. 2 cm Größe.
Therapieverfahren bei metastasierten Tumoren
Auch bei Metastasen sollte die Frage einer Operabilität prinzipiell zunächst geklärt werden, da nach der kompletten Metastasenentfernung, gute Überlebensraten beschrieben werden. Wenn eine Operation bei multiplen Metastasen in einem oder in mehreren Organen nicht mehr sinnvoll erscheint, ist eine medikamentöse Therapie angezeigt. Diese kann mit so
genan. Multikinaseinhibitoren, Antikörpern oder mTOR-Inhibitoren durchgeführt werden. Jene haben allesamt das Ziel, die
Angiogenese, also die Gefäßneubildung, die im Rahmen von VHL-Tumoren deutlich gesteigert ist, zu hemmen. Während Patienten mit sporadischen Nierentumoren unter jener Medikation, bei allerdings erheblichen Nebenwirkungen, eine signifikante Lebensverlängerung auch im metastasierten Stadium erfahren, gibt es bisher keine längerfristigen Erfahrungen aus der Gruppe der
VHL-Patienten.
Bei knöchernen Metastasen, die eine Bruchgefährdung hervorrufen können oder Schmerzen verursachen, sollte eine Strahlentherapie angestrebt werden (siehe zum Thema „Metastasen“ auch Kapitel 8 Therapiemöglichkeiten bei metastasierenden
VHL-Tumoren).
Tumornachsorge
Alle VHL-Patienten müssen regelmäßig im Rahmen einer Tumornachsorge betreut werden, da das Risiko einer neuerlichen Tumorentstehung hoch ist. Nur in Einzelfällen bleiben
VHL-Patienten, die einmal einen Nierentumor entwickelt haben, über mehr als 10 Jahre tumorfrei. Es sollten jährliche MRT-Untersuchungen durchgeführt werden. Bei längerfristiger Tumorfreiheit kann das Nachsorgeintervall auch verlängert werden.
Einige Tumoren zeigen jedoch bereits im Verlauf eines Jahres Größen- oder Volumenverdopplungen oder sogar darüber hinaus gehende Wachstumsraten. Bei diesen Patienten ist das Risiko einer Metastasierung größer. Daher sollte aufgrund der Wachstumsgeschwindigkeit entschieden werden, ob sechsmonatliche Nachsorgeintervalle gewählt werden. Um dies besser zu erfassen wird die Berechnung des Volumens und nicht nur des größten Tumordurchmessers empfohlen. Dies ist mit den modernen Bildbearbeitungsprogrammen möglich.
Literatur
1. Drachenberg DE, Mena OJ, Choyke PL, et al.: Parenchymal sparing surgery for central renal tumors in patients with hereditary renal cancers. J Urol 172:49-53, 2004
2. Grubb RL, III, Choyke PL, Pinto PA, et al.: Management of von Hippel-Lindau-associated kidney cancer. Nat Clin Pract Urol 2:248-255, 2005
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VHL-Rundbrief Nov./2009; Heft 4; Jahrgang 10
Vorträge Informationsveranstaltung Berlin 2009
Vortrag: Prof. Dr. Roigas, Vivantes Kliniken für Urologie, Am Urban und lm Friedrichshain Berlin
Thema: Nierenbeteiligung bei der VHL Erkrankung
Bei VHL Betroffenen treten Nierenzellkarzinome häufig auf, 75 Prozent aller über 60 jährigen VHL Betroffenen haben ein Nierenzellkarzinom. Sie treten oft beidseitig und mehrfach auf. Der Chirurg muss immer abwägen zwischen dem Schutz der Nierenfunktion und auf der anderen Seite dem Risiko, dass der Tumor Metastasen verursacht; auch unter dem Aspekt, das eine Niere mehrfach operiert werden kann.
Beim sporadischen (nicht erblichen) Nierenzellkarzinom liegt das Risiko der Metastasierung bei einer Größe von weniger als 3 cm bei unter 5 Prozent und steigt bei einer Größe von 4 cm auf über 8 Prozent an. Beim VHL Patienten liegt das Risiko der Metastasierung mit einer Größe von 3-4 cm bei 4 Prozent und steigt bei einer Größe von 4 - 5,5 cm auf über 20 Prozent an.
An Hand dieser Daten rät Dr. Roigas bei einer Größe von 3 cm eher zum Abwarten, eine OP sollte aber ab einer Größe von 4 cm durchgeführt werden, um das Risiko der Metastasenbildung so gering wie möglich zu halten.
Das Standardoperationsverfahren ist immer noch die offene Operation, wobei durch einen Flankenschnitt der Tumor entfernt wird und dabei die Nierenfunktion erhalten bleibt (Nierenteilresektion). Eine komplette Entfernung einer Niere
(Nephrektomie) sollte nur in Ausnahmefallen durchgeführt werden. Die Nierenteilresektion ist technisch sehr anspruchsvoll. Es ist jedoch ein sicherer Eingriff, wenn sie durch einen erfahrenen Urologen durchgeführt wird.
Während der Operation wird die Niere von der Blutzufuhr abgeklemmt. Dies ist jedoch nur für eine gewisse Zeit möglich, ohne die Niere zu schädigen, so dass immer unter Zeitdruck operiert wird. Zudem wird die Niere während der OP gekühlt, welches ebenfalls eine Schädigung zu verhindern hilft. Die Blutstillung erfolgt heutzutage mit neuen Substanzen, wie z.B. dem
Flowseal. Auch kommt während der Operation ein Ultraschall zum Einsatz, um tiefer gelegene Strukturen sichtbar zu machen.
Die Risiken dieses Eingriffs liegen darin, dass der Tumor nicht komplett entfernt werden kann, eine Blutung oder eine Urinfistel auftreten können.
Die sogenannte Schlüssellochchirurgie (Laparoskopie) wird in der organerhaltenden Nierenchirurgie bei der VHL-Erkrankung fast nicht eingesetzt. Ein Nachteil bei dieser Methode ist z. B, dass der Chirurg die Nieren nicht abtasten kann.
Hingegen kommen sogenannte thermoablative Verfahren wie die Radiofrequenz Ablation auch bei VHL Betroffenen zum Einsatz. Hierbei wird entweder mit Hitze oder Kälte der Tumor zerstört, in dem eine Sonde durch einen kleinen Schnitt unter CT oder MRT zum Tumor geführt und dann dieser zerstört wird. Es können jedoch bei weitem nicht alle Nierentumoren damit behandelt werden, so dass beim Vorliegen von mehreren Tumoren eine offene Operation angezeigt ist, um mit einer Operation die Niere zu „sanieren“.
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VHL-Rundbrief
Nov./2006; Heft 4; Jahrgang
7
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Mainz 2006
Vortrag Prof. Thüroff, Direktor der Urologischen Klinik der
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Thema: Organerhaltende Operationen bei Nierentumoren
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VHL-Rundbrief Nov./2005; Heft 4; Jahrgang 6
Zusammenfassung Vorträge Informationsveranstaltung Dresden 2005
Vortrag Oberarzt PD Dr. Roigas, Klinik und Poliklinik für Urologie, Campus Mitte, Charité - Universitätsmedizin Berlin,
jan.roigas@charite.de
Thema: Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Nierentumoren
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VHL-Rundbrief
Nov./2003 und Feb. 2004;
Vortrag Dr. Nikolay,
KfH (Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation), Dialysezentrum Fürth;
Thema: Medizinische Aspekte zur Dialysebehandlung und Nierentransplantation
Dr. Nikolay ist ärztlicher Leiter des Dialysezentrums Fürth. Dieses ist eine Einrichtung des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation e.V. Das Dialysezentrum verfügt über 42 Dialyseplätze und versorgt derzeit 180 Patienten ambulant mit allen erforderlichen Behandlungsmethoden. In seinem umfangreichen und sehr interessanten Vortrag ging er auf folgende Punkte ein:
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Zu Anatomie und Funktion der Nieren
-
Zu den Krankheiten der Nieren und deren Diagnostik
-
Von der chronischen zur terminalen Niereninsuffizienz
-
Die Nierenersatzbehandlung: Hämodialyse (HD), die Peritonealdialyse (PD) und Nierentransplantation
Außerdem gab Dr. Nikolay einen Überblick über die Geschichte der Dialyse und Nierentransplantation. Das Dialysezentrum Fürth verfügt über eine umfangreiche Sammlung an alten medizinischen Geräten. Auf diesen Komplex wird in dieser Zusammenfassung nicht eingegangen.
1. Zu Anatomie und Funktion der Nieren
Die Nieren sind paarig angeordnet und liegen beidseitig rechts und links der Wirbelsäule hinter der Bauchhöhle. Eine gesunde Niere wiegt bei einem Erwachsenen ca. 150 Gramm, ist etwa 12 cm lang und 5 cm breit. Die Nieren haben ein typisches bohnenförmiges Aussehen. Das eigentliche Nierengewebe setzt sich aus ca. zwei Millionen kleinster Funktionseinheiten zusammen. Eine solche Funktionseinheit gliedert sich in Nierenkörperchen (Glomeruli) und Harnkanälchen (Tubuli) mit den Sammelrohren. Die Nierenkörperchen stellen ein Knäuel von kleinsten Blutgefäßen dar, versehen mit zahlreichen winzigen Poren. Für rote und weiße Blutkörperchen, die Blutplättchen und größere Substanzen wie Eiweiß ist der Weg durch diese Poren versperrt. Andere Stoffe und Flüssigkeit werden aus diesem Netz von Blutgefäßchen in die Tubuli abgegeben. Der endgültige Harn, normalerweise ca. 1 bis 1,5 Liter pro Tag, gelangt über die Sammelrohre in das Nierenbecken und weiter durch den Harnleiter zuletzt in die Harnblase.
Eine der wichtigsten Funktionen der Nieren ist die Ausscheidung von Harn. Mit dem Urin werden sogenannte harnpflichtige Substanzen, z. B. Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure, ausgeschieden. Diese Substanzen stammen aus dem Stoffwechsel der Zellen des Körpers. Daneben können die Nieren überschüssige Mengen an Wasser und Salzen ausscheiden sowie die durch die Stoffwechselvorgänge fortlaufend entstehenden Säuren neutralisieren. Die gesunden Nieren sind in der Lage, im Durstzustand durch entsprechend geringere Urinproduktion den normalen Wasser- und Salzgehalt des Körpers zu bewahren. Auch viele körperfremde Stoffe, beispielsweise Medikamente, können nur über die Nieren ausgeschieden werden. Darüber hinaus haben die Nieren eine Drüsenfunktion mit innerer Sekretion. Sie bilden das sogenannte Renin, das in der Regulation des Blutdrucks eine bedeutende Rolle spielt. Außerdem produzieren sie das Erythropoetin, das für die Bildung der roten Blutkörperchen verantwortlich ist. Die mangelhafte Erythropoetinerzeugung in den Nieren ist eine der Ursachen der Blutarmut, der sogenannten Anämie bei chronischem Nierenversagen. Die Nieren greifen ebenfalls in den hormonellen Regelkreis des Knochenstoffwechsels ein. Hiervon sind vor allem der Vitamin D-Stoffwechsel sowie die Calcium- und Phosphataufnahme bzw. -ausscheidung betroffen.
2. Zu den Krankheiten der Nieren und deren Diagnostik
Glomeruläre Erkrankungen
Wie der Name besagt, handelt es sich um eine Entzündung aller in der Nierenrinde gelegenen Nierenkörperchen. In aller Regel betrifft sie beide Nieren in gleichem Ausmaß. Ein akutes Auftreten ist beispielsweise kurze Zeit im Anschluss an eine Mandelentzündung möglich. Diese akute Verlaufsform kann ausheilen, manchmal aber auch in die sogenannte chronische Glomerulonephritis übergehen, die oft über Jahre hinweg ohne irgendein vom Patienten bemerkte Symptom besteht. Gekennzeichnet ist diese Erkrankung typischerweise durch eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß und roten Blutkörperchen im Urin. Heute gibt es zahlreiche Formen der Glomerulonephritis mit unterschiedlichem Verlauf und unterschiedlicher Prognose. Durch die Entnahme einer Gewebsprobe ist es möglich, Erkenntnisse über Ursache und Verlauf einer Erkrankung zu gewinnen, um dann festzulegen, ob und welche Medikamente den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können.
Interstitielle und tubuläre Erkrankungen der Niere
Hier sind zunächst die bakteriellen Entzündungen der Niere, die akute und die chronische Pyelonephritis oder auch bakterielle interstitielle Nephritis zu nennen. Bei der bakteriellen interstitiellen Nephritis sind zunächst das Nierenbecken und das benachbarte Nierengewebe betroffen, oft nur einseitig. Die Krankheit verläuft meist in Schüben mit Fieber und Schmerzen im Nierenlager oder auch beim Wasserlassen. Diese Erkrankungen werden durch Bakterien verursacht. Daneben entsteht die chronische Pyelonephritis oft bei angeborenen (z. B. Nierenbeckenmissbildungen) oder erworbenen (z. B. durch Nieren- und Harnleitersteine) Harnabflussstörungen, die eine bakterielle Besiedlung der Harnwege begünstigen. Die chronische Pyelonephritis tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Sie führt oft langsamer als die sogenannte Glomerulonephritis und in höherem Lebensalter zum chronischen Nierenversagen. Daneben gibt es sogenannte nichtbakterielle, chronische interstitielle Nierenerkrankungen, die z. B. durch jahrelange Einnahme von Schmerzmitteln verursacht werden können. Stellvertretend für die Formen der hereditären (erblichen) Krankheiten sollen die sogenannten Zystennieren erwähnt werden, die allmählich durch Entwicklung zahlreicher flüssigkeitsgefüllter Räume, sogenannter Zysten, zur Verdrängung und Zerstörung des funktionierenden Nierengewebes führen.
Vaskuläre (gefäßbedingte) Nephropathien
Hier ist vor allem der hohe Blutdruck (arterielle Hypertonie) von Bedeutung. Jahrelang bestehender erhöhter Blutdruck oder arteriosklerotische Gefäßveränderungen führen häufig zum chronischen Nierenversagen. Seltenere entzündliche Gefäßerkrankungen können ebenfalls Ursache einer chronischen Niereninsuffizienz sein. Ein erhöhter Blutdruck ist oft Folge einer der genannten chronischen Nierenleiden. Der hohe Blutdruck kann jedoch auch umgekehrt die Ursache einer chronischen Nierenerkrankung mit chronischem Nierenversagen sein.
Sekundäre Nierenerkrankungen
Hier sind zum Beispiel Nierenfunktionsstörungen beim Diabetes mellitus, die sogenannte Schwangerschaftsnephropathie, Nierenfunktionsstörungen bei Drüsenerkrankungen und Nierenfunktionsstörungen bei Lebererkrankungen zu nennen. Die wichtigste Rolle in diesem Bereich spielt sicherlich der Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit.
Bedeutung des chronischen Nierenversagens
Die geschilderten Erkrankungen müssen nicht zwangsläufig, können aber zur chronischen Niereninsuffizienz, dem chronischen Nierenversagen, führen. Mit welchen Symptomen bzw. Folgen muss ein Patient rechnen? Die anfangs beschriebenen Aufgaben der Niere können beim chronischen Nierenversagen nicht mehr erfüllt werden. Es kommt damit
-
zur verminderten Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen wie Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure. Die Folgen davon sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Blutarmut, Herzbeutelentzündungen, Bewusstseinstrübungen und eine veränderte Hautfarbe.
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zur verminderten Ausscheidung von Salzen und Wasser. Dies führt zu Ödemen, das heißt Wasseransammlungen, sowohl im Gesicht und in den Beinen als auch in der Lunge, zur arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) und einer vermehrten Belastung des Herzens,
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zur verminderten Ausscheidung von Säuren,
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zur Verminderung der Ausscheidung von Kalium. Die Folge sind Herzrhythmusstörungen, die bis zum Herzstillstand gehen können,
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zu Störungen des Calcium-Phosphat-Haushaltes. Es kommt zu erheblicher Knochenschädigung durch eine Überfunktion der Nebenschilddrüse. Das im Überschuss produzierte Parathormon verursacht einen Kalziumverlust der Knochen,
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zu verminderter Bildung von Erythropoetin. Die Folge ist Blutarmut, die aber heute durch die Gabe eines gentechnologisch hergestellten Erythropoetins behebbar ist,
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zu erhöhter Reninaktivität mit der Folge einer arteriellen Hypertonie,
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zur verminderten Ausscheidung von Medikamenten. Es droht eine Vergiftung des Körpers durch zu hohe Wirkspiegel dieser Mittel,
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zu Veränderungen im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel mit der Folge von Blutgefäßerkrankungen.
3. Von der chronischen zur terminalen Niereninsuffizienz
Im Verlauf der chronischen Niereninsuffizienz gibt es vier Stadien der Erkrankung.
Das Stadium I stellt eine geringgradige Einschränkung der Nierenfunktion dar
und ist meist ohne Symptome. Der arterielle Blutdruck kann leicht erhöht sein.
Harnstoff und Kreatinin sind normal, lediglich die Kreatinin-Clearance ist verringert.
Im Stadium II ist die Nierenfunktion etwas stärker eingeschränkt. Die
Kreatinin-Clearance
sinkt bis unter 50 % des Normalwerts. Dies führt noch nicht zu einer großen
Beeinträchtigung. Es treten u. a. Ruhelosigkeit und ein erhöhter Blutdruck auf.
Im Stadium III kommt es zu einer weiteren Einschränkung der Nierenfunktion bis
auf ca. 15 % der Normalfunktion. Es bestehen eine vermehrte Blutungsneigung,
Juckreiz, Schlaflosigkeit, häufiges Erbrechen sowie manchmal Flüssigkeitsansammlungen
(sogenannte Ödeme) in den Beinen und in der Lunge; letzteres führt zu vermehrter
Atemnot, auch in Ruhe.
Beginn der Dialyse
Wenn in Stadium III eine auf ca. 15 bis 20 % eingeschränkte Kreatinin-Clearance
(10 ml/min) erreicht ist, wird im allgemeinen die Dialysetherapie eingeleitet.
Stadium IV bezeichnet das End- oder Terminalstadium, Vollbild der sogenannten
Urämie (Harnvergiftung) und allerspätester Termin für den Beginn der Dialysebehandlung,
weil eine tödlich verlaufende Harnvergiftung droht.
4. Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Niereninsuffizienz
Neben der Nierentransplantation sind die Hämodialyse (HD) und
die Peritonealdialyse (PD) als eigentliche Nierenersatzverfahren zu benennen.
Beide Therapien können sowohl in einem Dialysezentrum wie auch unter Anleitung
des behandelnden Nephrologen zu Hause durchgeführt werden. Die Frage, welches
der beiden Nierenersatzverfahren durchgeführt werden sollte, kann nicht allgemein
beantwortet werden. Nur eine gute, individuelle Beratung durch den behandelnden
Nephrologen und sein Pflegeteam ist der Entscheidungsfindung dienlich. Dabei
schließen sich die HD und PD als Therapieformen nicht aus.
Hämdialyse (HD)
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Hämodialyse: Heimhämodialyse oder die
Zentrumsdialyse. Dr. Nikolay ging insbesondere auf die Zentrumsdialyse ein.
Ablauf der Hämodialysebehandlung und deren Überwachung
Das körpereigene Blut wird bei der Dialyse beim Durchfließen eines Filters
von den harnpflichtigen Substanzen gereinigt. Dieser Filter wird Dialysator
genannt. Im Dialysator sind Blut und Spülflüssigkeit (Dialysat) durch eine hauchdünne
Membran mit mikroskopisch feinen Poren getrennt. Durch die Poren in dieser
Membran wandern die Giftstoffe vom Blut in die Spülflüssigkeit, die später verworfen
wird. Blutkörperchen und Eiweiß ist der Weg durch die Poren versperrt, sie gelangen
mit den gereinigten Blutanteilen wieder in den Körper zurück.
Der Patient muss über einen geeigneten Gefäßzugang
(Fistel/Shunt) verfügen.
Die Verbindung von Arterie und Vene hat eine stärkere Blutfüllung der dicht
unter der Haut liegenden Vene zur Folge. Die Vene erweitert sich und kann dadurch
leicht mit einer Kanüle punktiert werden. Außerdem führt die Vene infolge dieser
Veränderung eine so große Blutmenge, dass für die Hämodialyse problemlos 200
bis 300 ml Blut pro Minute entnommen werden können.
Zentrale Steuerungs- und Überwachungseinheit bei der Hämodialyse ist das
Hämodialysegerät.
Es steuert den Blutfluss, den Dialysatfluss und den Filtratfluss. Es werden
ein Wasserkreislauf und ein extrakorporaler Blutkreislauf unterschieden, die
ihren Berührungspunkt im Dialysator haben, dort jedoch durch eine Membran getrennt
sind. In dem Dialysegerät wird aus aufbereitetem Reinwasser und Konzentraten
die Dialyselösung (Dialysat) gemischt. Die Zusammensetzung der Dialyselösung
wird so gewählt, dass die Entfernung der Stoffwechselgifte aus dem Blut begünstigt
und gleichzeitig das Übertreten von fehlenden Substanzen in das Blut ermöglicht
wird.
Nach der Punktion eines Blutgefäßes
(Shunt, Fistel) wird kontinuierlich körpereigenes
Blut entnommen und über ein Schlauchsystem (arterieller Teil) dem Dialysator
zugeführt. Über ein zweites Schlauchsystem (venöser Teil) gelangt das gereinigte
Blut vom Dialysator zurück.
Vor- und Nachteile der Zentrumsdialyse
|
Pro
-
Ärztliches und nicht-ärztliches
Personal ist immer vor
Ort
- Medizinische Hilfe ist in Notfällen
schnell zur Stelle
-
Kontakt mit anderen Patientinnen
- das Dialysegerät samt Material
steht zur Verfügung, es muss
nicht
zu Hause lagern
- Hämodialyse in der Regel 3 Mal
wöchentlich
|
Contra
- Ihnen (zunächst) nicht bekanntes
Personal wird mit Ihnen
zusammenarbeiten
- Dialysetag und -zeit können
vorgegeben sein
- Fahrten zu und von der Einrichtung
dreimal wöchentlich
- Mahlzeiten während der Dialyse
sind je nach Einrichtung
und
Tageszeit unterschiedlich
|
Die Peritonealdialyse (PD)
Alle PD-Verfahren nutzen das Bauchfell als Filter zur Entfernung von Giftstoffen
und überschüssigem Wasser aus dem Körper. Ihre Konzentration im Blut und im
Gewebe wird damit verhindert. Das Bauchfell wird auch als Peritoneum bezeichnet,
welches diesem Dialyseverfahren den Namen gab. Das Peritoneum ist eine dünne
Haut, die alle Bauchorgane und die Innenwand der Bauchhöhle auskleidet. Es ist
stark durchblutet. Die Oberfläche wird von einer Schicht winziger Körperzellen
gebildet, die wie ein Sieb (Filter) wirken. Dieser Filter wird bei der PD benutzt,
um Stoffwechselgifte und Wasser mittels einer speziell zusammengesetzten Dialyselösung
zu entfernen. Voraussetzung für die PD ist ein Zugang zu dem
natürlicherweise
geschlossenen Bauchraum, über den die Dialyselösung ein- und ausgelassen werden
kann. Dieser wird mit einem weichen Kunststoffschlauch, dem Peritonealkatheter,
ermöglicht. Vor Beginn der Behandlung wird der Katheter in die Bauchwand implantiert.
Die Austrittsstelle des Katheters durch die Bauchwand ist in der Regel mit einem
kleinen Verband versehen.
Die Dialyselösung befindet sich in einem Beutel. Neben diesem Lösungsbeutel
gibt es noch einen Leerbeutel, in den nach erfolgter Dialyse das Dialysat abgelassen
wird. Zur Vermeidung von Infektionen sind die Systeme sterilisiert. Der Katheter
stellt einen Dauerzugang zum Bauchraum dar. Bei unsachgemäßer Handhabung des
Wechsels der Dialyselösung oder bei Missachtung der hygienischen Regeln im Umgang
mit dem Katheter droht eine Bauchfellentzündung (Peritonitis).
Vor- und Nachteile der continuierlichen ambulanten Peritonealdialyse
(CAPD)
:
|
Pro
- Kann vielerorts durchgeführt werden
und ist daher sehr reisefreundlich
- Keine Punktion
- Mehr Flexibilität in der Behandlung
- Es wird keine Maschine benötigt
- Einfacheres Training als bei der
Heimhämodialyse
- Mehr Unabhängigkeit
|
Contra
- Beutelwechsel täglich alle vier bis
sechs Stunden
- Nicht alle Dialyseeinrichtungen
bieten CAPD an
- Dauerkatheter im Bereich des
Bauchnabels
-
Absolute Sauberkeit während des
Beutelwechsels notwendig
- Erhöhtes Risiko einer Infektion des
Bauchfells oder der Katheter-
eintrittsstelle
- Lagerkapazität erforderlich
- Der Bauch ist immer voller Flüs-
sigkeit
|
Nierentransplantation
Aufnahme auf die Warteliste und Organverteilung
Der erste Schritt auf dem Weg zu einer Transplantation ist die Meldung eines
potentiellen Empfängers auf die Warteliste für eine Organtransplantation bei
der Eurotransplant Foundation (ET) in Leiden (Niederlande). Grundsätzlich hat
jeder betroffene Mensch, bei dem aus medizinischer Sicht keine strengen Gründe
gegen eine Organtransplantation bestehen, das Recht, auf eine Warteliste für
eine Organtransplantation aufgenommen zu werden.
Zur medizinischen Abklärung vor der Aufnahme auf die Warteliste, werden zahlreiche
Untersuchungen benötigt. Diese dienen dazu, Risiken, die nach einer Transplantation
zu einer Gefährdung führen könnten, zu erkennen und wenn immer möglich
auszuschalten.
Ferner muss gerade in Hinblick auf die Knappheit der Transplantate
sichergestellt
sein, dass bei jedem Transplantatempfänger die größtmöglichen
Erfolgsaussichten
für eine Transplantation bestehen. Nachdem Betroffene auf die Warteliste für
eine Nierentransplantation aufgenommen worden sind und als „transplantierfähig“
gemeldet wurden, erfolgt die Zuteilung der Transplantate individuell durch ET.
Die Kriterien sind hierbei vor allem die Gewebsübereinstimmung zwischen dem
Empfänger und Spender, die Wartezeit und die Konservierungszeit (Distanz zwischen
dem Transplantat und dem Empfänger).
Die Transplantation
Wenn ein Organangebot von ET vorliegt, wird der betreffende Patient in das
Transplantationszentrum einbestellt und für die Operation vorbereitet. Bevor
die Transplantation stattfinden kann, muss aber zunächst noch das sogenannte
Crossmatch abgewartet werden. Hierbei wird überprüft, ob eine direkte Reaktion
zwischen Zellen des Spenders und des Empfängers auftritt, nur wenn dies nicht
der Fall ist darf eine Transplantation erfolgen.
Bei der Transplantation wird das Spenderorgan oberhalb der Beckenschaufel,
außerhalb des Bauchraums, transplantiert. Das Transplantat wird an die Beckengefäße
und der Transplantatharnleiter an die Blase angeschlossen. Die Transplantation
selber dauert ungefähr 2 Stunden. Die eigenen Nieren werden nur im Ausnahmefall
entfernt.
Verlauf nach einer Transplantation
Beim Patienten werden engmaschig die
Urinausscheidung, die Serumkreatinin-
und die Harnstoffwerte beachtet. Außerdem wird die Durchblutungssituation des
Transplantats mit einer Duplex-Sonographie überprüft. Hierbei kann überprüft
werden, ob und wie gut das Transplantat durchblutet ist. Einschränkungen der
Durchblutung können ebenso wie ein Anstieg des Serumkreatinins oder ein Rückgang
der Urinausscheidung ein Hinweis auf eine Abstoßungsreaktion sein. Sollte der
Verdacht einer Abstoßungsreaktion vorliegen, kann eine Punktion des Transplantats
erforderlich sein.
Ergebnisse nach einer Nierentransplantation
Die Funktionsrate der Transplantate beträgt nach einem Jahr 80 – 90 %. Nach
5 Jahren beträgt die Funktionsrate noch 75 % und nach 10 Jahren 50%. Generell
sind die Ergebnisse nach einer Lebendspende-Transplantation wesentlich besser
als nach einer Leichennieren-Transplantation. Eine Nierentransplantation kann
heute insgesamt ohne große Risiken durchgeführt werden. Die Mortalität innerhalb
des ersten Jahres nach Transplantation beträgt in großen Statistiken ungefähr
5%.
Vor- und Nachteile der Nierentransplantation:
|
Pro
- Mehr Lebensqualität
- Mehr Leistungsfähigkeit
-
Geringere Einschränkung bei Flüssigkeitszufuhr und Diät
- Unabhängigkeit von einer Maschine
|
Contra
- Lebenslange Immunsuppression mit
möglichen Nebenwirkungen
- Erhöhtes Infektionsrisiko
- Risiko äußerer körperlicher
Veränderungen
- Das Transplantat kann nach einer
gewissen Zeit versagen
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VON HIPPEL-LINDAU ERKRANKUNG - Leitfaden für Patienten und Ärzte - Hrsg.
Verein für von der Hippel - Lindau (VHL) Erkrankung betroffene Familien e.V.,
Nov. 2002
Autor: Prof. Dr. H. Neumann, Medizinische Universitätsklinik Freiburg
Beitrag: Veränderungen der Nieren
Der
Mensch hat zwei etwa 12 cm lange Nieren, die im hinteren Bauchraum liegen.
Bei der Von Hippel-Lindau Erkrankung können flüssigkeitsgefüllte Nierenzysten
oder Nierentumoren entstehen (Abb. 14 -17). Typischerweise findet man mehrere
verschieden große Zysten und mehrere Tumoren (Abb. 14). Meistens sind beide
Nieren betroffen (Abb. 16). Die Nierentumoren sind Karzinome und somit prinzipiell
bösartig. Krankheitszeichen entwickeln sich sehr spät. Sie sind meist Ausdruck
einer Absiedlung, d. h. von Tochtergeschwülsten (Metastasen) (Abb. 15). Nierentumoren
sollten deshalb rechtzeitig erkannt und entfernt werden (Abb. 17).

Abb. 14:
Großer rechtsseitiger Nierentumor und Zysten in der linken Niere.
T = Tumor, Z = Zyste, N = Nierenanteile. Computertomographie mit intravenösem
Kontrastmittel.

Abb. 15:
Lungenmetastase (Pfeil) bei einem großen Nierentumor (Selber Patient wie Abb. 14).
Computertomographie des Brustraumes.
Abb. 16:
Etwa 3 cm großes Nierenkarzinom (Pfeil) am unteren Pol und eine Zyste
am oberen Pol der rechten Niere. Die gegenseitige Niere wurde wegen eines
Nierenkarzinoms einige Jahre zuvor entfernt. Kernpintomographie, frontale
Abbildung. Kernspintomographie mit Gadolinium.
Abb. 17a
und b:
Computertomogramme (CT) mit beidseitigen Nierenkarzinomen bei
VHL-Erkrankung.
Zwischen den Aufnahmen liegen 10 Jahre. Der Pfeil kennzeichnet in der linken
Abbildung den sehr kleinen Tumor der Gegenseite im Anfangsstadium; im rechten
Bild hat er sich zu einem sehr großen Tumor entwickelt. CT mit Kontrastmittel.
Üblicherweise
werden Nierenkarzinome durch eine vollständige Entfernung der betroffenen
Niere behandelt. Für VHL-Patienten, die häufig Tumoren in beiden Nieren haben,
würde dies eine beidseitige Nierenentfernung und damit die Notwendigkeit einer
regelmäßigen sogenannten Dialysebehandlung (Blutwäsche) bedeuten. Man ist
deshalb dazu übergegangen, bei VHL-Patienten nur die Tumoren zu entfernen.
Dabei werden die Nieren freigelegt, die Durchblutung durch Abbinden der Blutgefässe
vorübergehend unterbrochen, das Organ gekühlt. Dann werden alle Tumoren ausgeschält.
In erfahrener Hand ist der Eingriff nahezu immer erfolgreich. Die neueste
Entwicklung geht dahin, dass man Nieren-erhaltende Operationen auch endoskopisch
durchführen kann. Ob ein Eingriff endoskopisch durchgeführt werden sollte,
hängt jedoch von dem genauen Befund und letztlich auch von der Erfahrung des
Operateurs
ab. Eine zentrale Frage ist, ob man jeden Nierentumor operieren soll. Die
Empfehlungen sind verschieden. Die meisten Zentren haben die amerikanischen
Empfehlungen übernommen, nach denen Tumoren ab einer Größe von 3 cm entfernt
werden sollen. Allerdings hat eine vom Freiburger Zentrum koordinierte internationale
Untersuchung ergeben, dass nur bei Tumoren von 7 cm Durchmesser Metastasen
gesehen wurden (Abb. 14 / 15), und dass die Tumoren sehr langsam wachsen.
Vor diesem Hintergrund erscheint es gerechtfertigt, erst ab einer Tumorgröße
von 4 - 5 cm Durchmesser zu einer Operation zu raten. Die Entscheidungen sollten
in ausführlichen Gesprächen mit den Patienten getroffen werden, wobei auch
weitere Gesichtspunkte, insbesondere die Lage der Tumoren innerhalb der Nieren
berücksichtigt werden sollten.
Für
Diagnostik und Verlaufskontrollen ist eine Kernspintomographie mit Gadolinium
als Kontrastmittel zu empfehlen. Eine konventionelle Computertomographie ergibt
etwa gleich gute Resultate. Der jüngste bekannt gewordene VHL-Patient mit
einem Nierentumor war 16 Jahre alt, so dass ab diesem Alter Vorsorgeuntersuchungen
für Nierenveränderungen bei der Von Hippel-Lindau Erkrankung anzuraten sind.
Bei den Kontrolluntersuchungen ist es wichtig, dass die Befunde sehr genau
hinsichtlich der radiologischen Schnittführung und der Größe verglichen werden.
Nicht selten schien ein Größenwachstum vorzuliegen, das durch stärkere Vergrößerungen,
andere Schichtdicken oder andere Schichtwahl vorgetäuscht war.
Die
Nierentumoren können bei der Von Hippel-Lindau Erkrankung so zahlreich, so
ungünstig gelegen und so groß sein, dass sich keine der beiden Nieren mehr
erhalten lässt. Dann wird eine lebenslange Dialysebehandlung notwendig. Solche
Patienten können Nieren-transplantiert werden. In diesem Zusammenhang ergeben
sich eine Reihe von Fragen, die mit einem Nieren-Spezialisten (Nephrologen)
besprochen werden sollten.
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VHL-Rundbrief Nov./2002; Heft 4; Jahrgang 3
Vortrag Prof. Dr. Schulze-Seemann, Urologische Klinik Universität Freiburg
Thema: Therapie von Nierenkarzinomen bei der VHL Erkrankung
Herr Prof. Schulze-Seemann ist Leitender Oberarzt der Urologischen Klinik der Universitätsklinik in Freiburg. Er hat in den letzten Jahren viele organerhaltende Nierenoperationen bei VHL-Patienten durchgeführt.
Herr Prof. Schulze-Seemann referierte in seinem Vortrag den derzeitigen Stand der Behandlung des Nierenkarzinoms bei der Von Hippel-Lindau Erkrankung.
Der Vortrag hatte besondere Aktualität, weil immer wieder Personen neu als Anlageträger und VHL-Patienten erkannt werden, bei denen eine Niere wegen eines Tumors entfernt wurde. Auch kommt es hin und wieder vor, dass Patienten Kontakt zum Freiburger Zentrum oder zur Selbsthilfegruppe aufnehmen, die berichten, dass bei Ihnen die Entfernung einer Niere geplant ist. Die organerhaltende Behandlung des Nierenkarzinoms ist eine relative neue Behandlungsmethode bei VHL-Patienten, die im Zusammenhang mit den diagnostischen aktuellen Möglichkeiten gesehen werden muss, worauf Prof. Schulze-Seemann ausführlich einging.
Die Qualität der radiologischen Abbildungen und damit das Auflösungsvermögen für Feinstrukturen von Nierentumoren sowohl in der Computertomographie als auch der Kernspintomographie hat sich enorm verbessert. Daher stellt sich die Frage: "Warum wird eine Niere - oftmals mit Nebennieren - komplett entfernt?" Bis heute ist die organerhaltende Nierenoperation noch immer nicht in den Lehrbüchern als Standardverfahren benannt.
Vor zehn Jahren wurde in der Freiburger Urologischen Klinik angefangen Nierentumoren organerhaltend zu operieren. Mittlerweile werden jährlich 40-45 organerhaltene Operation pro Jahr durchgeführt, insgesamt sind über 300 Patienten in Freiburg operiert worden.
Über neunzig Prozent der klarzelligen Nierenkarzinome sind sporadisch, d.h. sie sind nicht erblich. Die restlichen zehn Prozent der Tumoren sind erblich, davon sind die Nierenkarzinome bei der VHL-Erkrankung die häufigsten. Auch bei den sporadischen Tumoren findet sich oft eine Mutationen des VHL Gens, so dass es auf molekularer Ebene Gemeinsamkeiten gibt.
Für das operative Vorgehen gibt es jedoch Unterschiede, daher sollte keine erbliche Form übersehen werden.
Gegenüber den Patienten mit sporadischen Tumoren sind die Patienten mit erblichen Nierenkarzinomen deutlich jünger. Auch treten häufig mehrere Tumoren in beiden Nieren auf. Die erblichen Tumoren wachsen hingegen in der Regel langsamer, und sie verursachen deutlich später Metastasen. Es steht somit mehr Zeit für die OP Planung zur Verfügung. Auch ist die Überlebenschance sehr viel größer als bei sporadischen Nierentumoren.
Indikation
Bei sporadischen Tumoren wird operationstechnisch anders verfahren als bei erblichen Tumoren. Bei sporadischen Tumoren wird ein 3-5 Millimeter breiter Saum von gesundem Nierengewebe um den Tumor mitentfernt, um sicher zu sein, den Tumor komplett entfernt zu haben.
Bei erblichen Tumorerkrankungen bleibt die genetische Veränderung bestehen. Sechzig Prozent der Betroffenen werden in den nächsten Jahren wieder Tumoren entwickeln. Die Erhaltung von möglichst viel gesundem Gewebe ist daher von großer Bedeutung.
In einer von Freiburg koordinierten Studie fanden sich Metastasen nur bei VHL - Nierenkarzinomen, die eine Größe von 7 cm Durchmesser hatten. In der Literatur finden sich inzwischen Einzelfälle von VHL, bei denen der Tumor kleiner war. Vor diesem Hintergrund werden in Freiburg Tumoren, die größer als 4 cm sind, als operationswürdig angesehen. Bis zu dieser Größe besteht, soweit nur ein zu vernachlässigendes Risiko bei VHL Patienten für Metastasen.
Die OP
Bei einem Ersteingriff wird in der Regel von der Flanke her operiert. Die Niere wird vor Ort, also im Körper, mit Eis gekühlt. So kann etwa eine Stunde bei unterbrochener Blutzufuhr operiert werden, ohne dass das Gewebe Schaden nimmt. Die Blutgefäße werden mit Gummibändern abgeklemmt. Um den Saum so gering wie möglich zu haben, wird mit Hilfe eines mikrochirurgischen Instrumentariums der Tumor entfernt. Mit Argongas werden die Blutgefäße verödet (koaguliert). Die Wundfläche wird nach dem Eingriff nicht vernäht, sondern sie wird mit einem Kollagenflies verklebt, welches sich später auflöst. In letzter Zeit werden die Tumoren angefärbt, dies ermöglicht es den Chirurgen aufgrund eines Enzymdefekt, die Grenze zwischen gesunden und tumorösen Gewebe sichtbar zu machen. Alle erreichbaren kleinen Tumoren werden bei einer Operation mitentfernt. Ziel ist es dann, Tumorfreiheit zu erlangen. Auch bei der Operation eines Nebennierentumors (Phäochromozytoms) werden manchmal Nierentumoren gleich mitentfernt, oder umgekehrt.
Bei einer organerhaltenden Nierenoperation kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen: Beispielsweise zu Blutungen, die in den allermeisten Fällen so gering sind, dass Transfusionen nicht notwendig werden. Wundeinfektion kommen in etwa drei Prozent vor. Ebenfalls selten kann es zu Harnabflussstörungen kommen.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten:
Im Freiburger VHL Zentrum wird immer wieder die Frage gestellt: Wie lange geht es bei immer neuen Tumoren gut? Geht es weniger eingreifend? Mit anderen Verfahren?
Es werden verschiedene Verfahren erprobt, die jedoch bei VHL Patienten keine Anwendung fanden, sondern nur bei sporadischen Nierentumoren:
Die Kältebehandlung (Kryo), die laparoskopische (Schlüsselloch-) Operationsmethode sowie mit "RITA" und "HIFO" zwei Behandlungsformen, die mittels Hitze den Tumor zerstören.
In Freiburg wird derzeit die laparoskopische Nieren-Operation noch nicht bei einer Teilentfernung der Niere, d.h. mit Ausschälen von VHL-Tumoren durchgeführt. Unter verschiedenen Problemen ist derzeit das größte, dass die VHL-Tumoren oft nicht an der Nierenoberfläche gelegen sind.
RITA und HIFO sind thermische Behandlungsmethoden, bei denen Tumoren und somit auch Nierenkarzinome mittels Hitze zerstört werden. Beide Verfahren haben jedoch den Nachteil, dass auch gesundes Gewebe oder der Tumor selbst nicht komplett zerstört werden. Immer verbleibt das zerstörte Gewebe im Körper, was anhand von Nachuntersuchungen mit CT oder MR verfolgt werden kann.
Bei der Kältebehandlung gibt es ebenfalls einen ziemlich großen Saum von 0,5 bis 1 cm. Der Tumor wird mit einer Sonde oder kleinem Schnitt mit Stickstoff vereist und wie ein Eisball herausgenommen.
Fazit
Bei der organerhaltenden Nierenoperation handelt es sich um einen sicheren Eingriff, der in der Regel komplikationsfrei verläuft. Mehrfache Operation an einer Niere sind möglich. Neue Tumoren treten anlagebedingt bei der VHL-Erkrankung mit zeitlichem Intervall leider häufig auf.
Als bildgebendes Verfahren ist die Kernspintomographie (MRI) zu empfehlen. Sie ermöglicht die Darstellung in allen drei Ebenen. Die Computertomographie ist von geringerer Abbildungsqualität und liefert derzeit nur Abbildungen in einer Ebene. Immer ist das CT eine (Röntgen-) Strahlenbelastung.
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